Im vorerst letzten Teil dieser Artikelreihe soll es um die Probleme gehen, die uns während der praktischen Arbeit an und mit der Kampagne entgegen getreten sind. Die größte (und oftmals allgegenwärtige) Schwierigkeit lag darin, genügend Wege zu finden, eine bundesweite Plakat- und Internetaktion bekannt zu machen oder besser gesagt, erst einmal genügend Unterstützung einzuwerben.
Weder Sponsoren für den Plakat- und Postkartendruck, noch die Verteilungswege der Printsachen wären ohne persönliche Kontakte und Beziehungen so schnell und überhaupt zu organisieren gewesen. Auch mit einer Portion Glück gelang uns dies. Leider konnten wir schon aus personellen Gründen nicht überall unsere “Fühler” ausstrecken und zum Beispiel in Fachkreisen um Hilfe werben. Und selbst wenn wir dies taten, war nicht immer Antwort oder gar Unterstützung gewiss. Eine Lehre aus der mühsamen Sponsoren- und Helferanwerbung ist: erster Kontakt gern per E-Mail, ansonsten kommt man im persönlichen Gespräch (auch per Telefon) weit schneller und erfolgreicher voran. Die anfänglichen Hemmnisse seitens der Fachwelt, insbesondere der Verbände, uns auf irgendeine Art und Weise zu unterstützen, liegt sicher darin begründet, dass wir als frisep e.V. (aufgrund unserer gerade erst abgeschlossenen Gründung) überhaupt nicht bekannt waren. Es war eine schwierige Aufgabe, Vertrauen zu schaffen – auch wenn es dank einiger “prominenter” Vereinsmitglieder erstaunlich zügig gelang.
Das zweite Problem: Wie erreichen wir unsere Zielgruppe? Plakate aufhängen gut und schön, jedoch geht dies an belebten Plätzen nur auf eindringliche Nachfrage. Und dies wiederum nur in privaten Geschäften oder staatlichen Institutionen. Alle Geschäfte, die bestimmten Handelsketten angehören, nehmen grundsätzlich keine fremden Plakate ins Schaufenster. Auch mussten wir feststellen, dass ein A2-Plakat größentechnisch für Schaufenster äußerst ungeeignet und generell kein gutes Mittel ist, Aufmerksamkeit zu erregen – es sei denn, man hat genügend Geld, um große Werbeflächen bekleben zu lassen. Mittlerweile haben wir uns dazu entschlossen, keine neuen Plakate mehr aufzulegen, sondern weiterhin mit Postkarten auf die Geo- und Montanwissenschaften aufmerksam zu machen. Postkarten sind bei kostenloser Abgabe ein gern gesehenes “Souvenir”. Sie prägen sich letztlich besser ein und sind zudem noch im Besitz der Zielgruppe, wenn diese sich (hoffentlich) im Internet weiter informieren möchte und die Adresse nicht mehr weiß. Ohne genügend Hilfe oder ein reichliches Verwaltungsbudget (über das wir nicht verfügen) ist der Versand von Plakaten an potentielle Verteiler nicht möglich. Wir hatten dank einiger Sachspenden Glück und konnten unzählige Plakatanfragen positiv erwidern – auch wenn es ein ungeheurer Aufwand war und noch immer ist.
Noch eine Anmerkung zur Presse. Wir hatten zum Beginn der Aktion nahezu jede deutsche Tageszeitung über eine Pressemitteilung darüber informiert. Das Resultat war gleich Null. Kein Wunder. Jede Regionalzeitung druckt nur Dinge, die auch in ihrer Region geschehen. Das hätte für uns geheißen, Leute vor Ort haben zu müssen, die (pressewirksam) Plakate in der jeweiligen Stadt aushängen. Dies aber ist für uns nicht auf die Schnelle und schon gar nicht so punktgenau realisierbar gewesen, sodass letztlich hauptsächlich die sächsische Presse dank einiger Beziehungen über die Kampagne berichtete.
Ursprünglich wollten wir das Schwergewicht der Kampagne auf das Internet legen, sowohl bezüglich der zu vermittelnden Informationen, als auch um die Zielgruppe zum Besuch der Website zu animieren. Ersteres ist und bleibt der Mittelpunkt der Aktion. Allerdings hatten wir es uns einfacher vorgestellt, Banner auf bestimmten Websites kostenfrei schalten zu dürfen. Aus heutiger Sicht erscheint diese Vorstellung naiv – zu Recht. Sicher, die Fachwebsites waren und sind gern bereit, Banner zu schalten. Websites, die mit allen anderen Dingen als Geo- und Montanwissenschaften zu tun haben, blocken solche Anfragen natürlich rigoros ab. Ohne ein ordentliches Budget im Hintergrund ist in dieser Richtung nichts zu erreichen. Und so blieben uns nur die Plakate und Postkarten.
Das führt mich auch gleich zum nächsten Problem: Wie können wir den Erfolg und die Reichweite der Aktion nachvollziehen? Um ehrlich zu sein, können wir es nicht. Wir können sagen, 10.000 Postkarten und etwa 5.000 Plakate verteilt zu haben, täglich 60-100 Website-Besucher zu zählen und 1.200 Gymnasien bundesweit mit Schulplakaten beschickt zu haben. Wieviele Menschen nun aber tatsächlich bewusst in Kontakt mit der zu vermittelnden Botschaft “denke nach, woraus dein Alltag besteht” gekommen sind, ist uns völlig unbekannt. Mit Sicherheit ist die Kampagne in der Fachwelt auf sehr positive Resonanz gestoßen, das haben die Rückmeldungen und Unterstützungsangebote gezeigt. Von der Zielgruppe “Otto-Normal-Verbraucher” jedoch kam so gut wie keine Resonanz. Das Interview mit Deutschlandradio hat uns auch deutlich gezeigt, wie schwierig es ist, einen von Rohstoffen und geowissenschaftlichem Wissen abhängigen Alltag zu vermitteln. Diese Tatsache ist für die meisten einfach viel zu weit entfernt von der Realität und zeigt uns zugleich auf erschreckende Weise, wie viel es noch im Bereich der geo- und montanwissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit zu tun gibt.
Abschließend kann ich sagen, dass die anfänglichen Vorstellungen einer bundesweiten Kampagne in deutlich höheren Sphären lagen, als es heute auf dem Boden der Tatsachen Realität ist. Dennoch bin ich der Meinung, dass wir in einem Jahr eine Menge auf die Beine gestellt haben, viele Kontakte knüpfen durften, etliche Probleme erkennen und lösen mussten und uns schließlich auch einzugestehen hatten, dass nicht alle Ziele sofort oder zeitnah erreicht werden können, sondern sie sich nur in mühevoller Kleinarbeit nähern. Die Zusammenfassung des ersten Kampagnenjahres ist sicher nicht vollständig, schon allein wenn ich daran denke, dass wir unter anderem auch Schulen mit Vorträgen besucht haben. Jedoch hoffe ich, dass die ein oder andere hier dokumentierte Erfahrung in Zukunft vor ähnlichen Problemen schützen und Mut machen wird, sich für die Öffnung der Geo- und Montanwissenschaften in Richtung Öffentlichkeit stark zu machen.




Hallo Lutz,
herzlichen Dank für die Zusammenfassung eines sicher aufregenden Jahres.
Wenn das Ganze doch auf Dauer eine breite Masse finden soll, ist dies wohl am einfachsten mit den bestehenden geologischen Verbänden zu realisieren (auch wenn deren Response wohl eher mager war).
Mir hat mal jemand gesagt. “Herr Fuchs, jemand der so insistierend ist wie sie, verdient es auch, dass man mit ihm spricht.”
Also. Bleib beharrlich! Nerv die entscheidenden Leute! Der Erfolg wird frisep Recht geben *orakel* ;)
Beste Grüße
Sven