terra mineralia – Fakten und Richtigstellungen

Online seit 22. Januar 2008 | Von Lutz Geißler

Freiberg in Sachsen hatte noch bis vor wenigen Jahren ein Sorgenkind namens Schloss Freudenstein. Heruntergekommen und wegen gescheiterter Verwertungsideen immer wieder in Vergessenheit geraten, kam das Schloss im Jahr 2004 erneut ins Gespräch, als nach einem Gebäude zur Präsentation einer besonderen Dauerleihgabe gesucht wurde.

Runder Turm von Schloss Freudenstein in FreibergFrau Dr. Erika Pohl-Ströher, Miteigentümerin des Wella-Konzerns, schloss mit der TU Bergakademie Freiberg über ihre einmalige, mehrere 10.000 Stücke umfassende und immer noch wachsende Mineralsammlung einen Dauerleihvertrag ab. Bedingung war die an internationalen Ausstellungskriterien ausgerichtete Präsentation ihrer Stücke in der Öffentlichkeit und ihre wissenschaftliche Betreuung. So sollte es sein. Die Stadt Freiberg kaufte das Schloss von einer privaten Investorengruppe ab, sanierte es seit 2004 mit Mitteln der Europäischen Union und in Zusammenarbeit mit drei sächsischen Ministerien. Der Sieger des damals ausgelobten Architektenwettbewerbes, an dem sich über 600 Büros beteiligt hatten, hieß AFF. Das Berliner Architektenbüro hatte die schwierige Aufgabe zu bewältigen, zwei verschiedene Nutzer, das Sächsische Bergarchiv und die TU Freiberg, mit jeweils verschiedenen Anforderungen an das Schloss unter einen Hut zu bekommen und zugleich die historische Bausubstanz aus der Renaissance-Zeit und die baulichen Veränderungen der Folgezeit angemessen mit moderner Architektur zu verbinden. Ein Aufsehen erregender Spagat, der im Rahmen der feierlichen Schlüsselübergabe an die Nutzer am 17. Januar 2008 vom Rektor der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Prof. Unland folgendermaßen beschrieben wurde: „Nicht allen Bürgern wird die Ästhetik des Schlosses in Gänze gefallen.“ Zugleich rief er jedoch zum Abwarten auf, wie die Reaktionen nach der eigentlichen Eröffnung am 18. Oktober 2008 ausfallen werden. Und diese Aufforderung ist berechtigt.

Das Schloss ist äußerlich im Prinzip komplett saniert. Nun folgt in den nächsten Monaten der nutzerspezifische Innenausbau. Für die zukünftig unter dem Namen terra mineralia präsentierte Sammlung heißt dies: bis Juli werden alle Vitrinen und Beleuchtungselemente fertig montiert sein, aber bereits im März ziehen die ersten Minerale ein.

Logo terra mineralia

Logo terra mineralia

Das Ausstellungskonzept zielt auf eine mineralogische Weltreise ab, auf deren Weg mehr als 5.000 Exponate bewundert werden können. Der Besucher wird die Welt der Minerale auf verschiedenen Kontinenten kennen lernen. Vier Räume – Afrika, Europa, Asien und Amerika – laden auf insgesamt mehr als 2.500 qm zu Entdeckungen ein. Dabei werden nicht nur die Minerale selbst ausgestellt, sondern greifbare Hintergrundinformationen vermittelt. Zum Beispiel wird es einen begehbaren Gang aus Kristallen geben oder einen Zeitstrahl, der die Verwendung verschiedener Minerale zu unterschiedlichen Zeiten der Menschheitsgeschichte an realen Objekten aufzeigt.

Die imposantesten, größten und ästhetischsten Mineralstufen finden in den Renaissance-Gewölben der Schatzkammer Platz. Für den besonders Interessierten wird ein Wissenschafts-Zentrum mit Elektronen- und Lichtmikroskop, verschiedenen Online-Recherchemöglichkeiten sowie einer umfangreichen Fachbibliothek die erste Anlaufstelle zur Bestimmung von Mineralen sein. Eine Weltkarte mit Mineralfundpunkten lädt zum virtuellen Flug zu Minerallagerstätten ein. Einzelbesucher erhalten PDA’s mit Kopfhörern und können sich audiovisuell durch terra mineralia führen lassen. Studenten der TU Freiberg entwickeln derzeit für jüngere Besucher außerdem ein Computerspiel, um auch Kindern altersgerechtes Wissen mit Spaß vermitteln zu können.

Seitdem terra mineralia in aller Munde ist, kursieren in der Presse und auch teilweise in Fachkreisen einige falsche Informationen über bestimmte Fakten zur Sammlung. Nachfolgend sollen einige Behauptungen richtig gestellt werden.

Behauptung: „Spende von insgesamt 81.000 Stücken“
Richtigstellung: Die genaue Zahl der Sammlungsstücke ist nicht bekannt, da die wissenschaftliche Erfassung noch ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Sammlung wurde nicht gespendet, sondern als Dauerleihgabe der TU Bergakademie Freiberg zur Verfügung gestellt. Auch können aus Platz- und inhaltlichen Gründen nicht alle Stücke der Öffentlichkeit zugänglich sein, sondern „nur“ etwa 5.000.

Behauptung: „Schenkung einer in Freiberg geborenen Schweizerin“
Richtigstellung: Es ist keine Schenkung (siehe oben). Die Schweizerin Dr. Erika Pohl-Ströher ist nicht in Freiberg, sondern in Wurzen bei Leipzig geboren und hat ihre Kindheit in Rothenkirchen im Vogtland verbracht.

Behauptung: „weltgrößte Mineraliensammlung“
Richtigstellung: Die an die TU Bergakademie Freiberg verliehene Sammlung ist nicht die größte Mineraliensammlung der Welt, sicher jedoch die eindrucksvollste und größte bekannte private Sammlung. Zudem ist es die größte, die eine Universität jemals zur Verfügung gestellt bekommen hat. Im gleichen Atemzug wird oft davon gesprochen, dass auch die systematische Mineralogische Sammlung der TU Freiberg, die derzeit im Werner-Bau zu Hause ist, in das Schloss umzieht. Auch dies ist nicht korrekt. Die derzeit bestehenden Sammlungen bleiben auch weiterhin und dauerhaft an ihren bisherigen Standorten und dienen dort, wie bisher auch, der Lehre und Forschung. In das Schloss wird tatsächlich „nur“ die Sammlung terra mineralia einziehen.

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3 Zitate zu diesem Beitrag

  1. geolismus.de » Blog-Archiv » Erstes Ausstellungsstück für terra mineralia eingezogen schrieb am 7. März 2008 um 15:30 Uhr :

    [...] haben. Sie stellen eines der vielen außergewöhnlichen Ausstellungsstücke von terra mineralia dar, die am 20. Oktober 2008 eröffnet werden soll. Schlagworte: Ausstellung, Schloss [...]

  2. geolismus.de » Blog-Archiv » Der Countdown läuft: terra mineralia öffnet in 48 Tagen die Pforten - frisep e.V. ist mit “GeoTagen” dabei schrieb am 4. September 2008 um 18:30 Uhr :

    [...] die weltweit größte private Mineraliensammlung. Wir haben an dieser Stelle bereits mehrmals über terra mineralia berichtet. Beginnend mit dem Eröffnungstag wird es vier Tage [...]

  3. geoberg.de-Blog» Blogarchiv » Endspurt bei “terra mineralia” schrieb am 23. September 2008 um 18:10 Uhr :

    [...] Stücken werden im Schloss Freudenstein präsentiert. Nebenan bei geolismus.de wurde schon mehrfach über terra mineralia berichtet und auch die Website der Ausstellung bietet einiges an Bild- [...]

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