Geonachrichten

Online seit 28. Januar 2008 | Von Lutz Geißler

Gerade sitze ich über einigen wissenschaftlichen Artikeln über diverse lagerstättengeologische Untersuchungen im Erzgebirge, die teils aktuell, teils aber auch älteren Datums sind. In diesen Artikeln werden (für mich) sensationelle Ergebnisse präsentiert, neue Modelle mit noch neueren Daten untermauert. Während der Lektüre kam in mir die Frage auf, weshalb in der populärwissenschaftlichen Presse (seien es Bild der Wissenschaft, Spektrum, GEO, scinexx.de, Spiegel oder Stern) fast ausschließlich Geo-Themen zu Vulkanismus, Plattentektonik oder Naturkatastrophen mit Artikeln bedacht werden, aber meines Wissens fast nie Forschungsergebnisse fernab der “Mainstream-Inhalte”.

Sicher sind die Gründe bei den Redaktionen zu suchen, die nur in Journale wie Science oder Nature schauen. Noch viel sicherer ist es jedoch, dass die Wissenschaftler selbst kaum Versuche unternehmen, ihre Erkenntnisse für die Allgemeinheit verständlich aufzubereiten und das wirklich Neue zu präsentieren. Vorhandene Möglichkeiten wie planeterde.de werden eher sporadisch und sicher nicht von der Mehrheit der Geowissenschaftler genutzt. Auch auf scinexx.de landen (glücklicherweise viele, aber) eben meist nur die üblichen Geothemen, die scheinbar besonders spektakulär sind. Ich möchte aber nicht alle Forscher in einen Topf werfen. Es gibt auch sehr positive Beispiele, vor allem in den marinen Geowissenschaften.

Jede Universität verfügt über Pressestellen, die unter anderem dafür da sind, Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da das nicht unbedingt immer zu funktionieren scheint, wäre es doch an der Zeit, die Geoverbände handeln zu lassen. Nichts ist öffentlichkeitswirksamer als die regelmäßige Aufarbeitung von Forschungsergebnissen für den Nicht-Geowissenschaftler. Ich bin fest davon überzeugt, dass weit mehr alltags- und lebensrelevante Geothemen in den Fachjournalen verschwinden, als derzeit Geo-Artikel in oben genannten Zeitschriften und assoziierten Online-Portalen erscheinen. Ideal wäre eine beispielsweise von den Geoverbänden eingerichtete zentrale “Pressestelle”, die mit Wissenschaftsjournalisten und Geowissenschaftlern besetzt ist und abgesehen von Science und Nature all die anderen Fachjournale durchblättert und daraus spannende Forschungsergebnisse allgemeinverständlich extrahiert, als Pressemitteilungen herausgibt oder gar ein eigenes Magazin (schlicht als Newsletter oder online) kreiert.

Ich widme mich nun weiter meinen Artikeln und wundere mich, warum so etwas nicht der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird…

Nachtrag (30.01.2008, 12.30 Uhr): Eine hervorragende Website mit tagesaktuellen Neuigkeiten aus der gesamten Wissenschafts-Branche, aber eben auch aus den Geowissenschaften ist scienceticker.info. Dort scheinen auch Themen Einzug zu halten, die von den “herkömmlichen” Wissenschafts-News-Rubriken anderer Websites unbeachtet bleiben.

2 Anmerkungen zu diesem Beitrag

  1. Gerhard Walther schrieb am 17. April 2010 um 19:20 Uhr :

    Man versuche einmal einem Arbeiter bei ( Sorry ) VW,einmal zu Erklären was Geologie ist,oder warum ER sich dafür zu Interessieren sollte. Im Tiefbau,sieht die sachlage schon etwas anders aus,besonders wenn man sich bei Kanalarbeiten mit dem DOOFEN Devonischen Gestein rumschlagen muss !!!!!! Aber Scherz beiseite,welcher NORMALE Arbeiter denkt heutzutage schon an das Gestein unter seinen Füssen ? Da sind mal wieder die Verbände gefordert,verstärkt in die Öffentlichkeitsarbeit zu Investieren.
    Beispiel: Eppstein, Drei Kleinere Felsen rutschen den Hang hinab,landen auf der Straße,Straße wird halbseitig Gesperrt ( Für DREI WOCHEN) Die Autofahrer wissen nicht warum und Weshalb und Ärgern sich über die Sperrung,das der betroffene Hang womöglich durch Geologen auf seine Sicherheit überprüft werden muss,oder wird,steht in keiner Zeitung !!!! Die Autofahrer,meist Büroangestellte und Handwerker auf dem Heimweg, sehen nur die Halbseitige Sperrung und Ärgern sich.Obwohl ich nur ein ( Amateur Geologe ) bin,konnte ich meinen Kollegen Erklären weshalb diese Halbseitige Sperrung notwendig und auch SINNVOLL ist.Aber woher sollen es die anderen Arbeitnehmer Erfahren ? Ich finde die Geologie ist noch nicht ausreichend in der Öffentlichkeit verankert,bzw. in das Allgemeine Interesse gerückt. Die Berufs Geologen,Sorry für die unglückliche Bezeichnung, sollten nicht erst in Verbindung mit Katastrophen wie in Nachterstedt,oder
    dem Bergrutsch in Bayern,oder zur Geothermie in die Öffentlichkeit treten,sondern auch schon im Vorfeld die ” Normalen Leute ” auf ihre Existenz hinweisen.JA,Ja ! Geonetzwerk ist schon dabei,aber welcher Arbeiter bei,SORRY, VW,BMW oder auch Mercedes hat dafür Interesse ? Ich habe in den letzten zwei Jahren meine Kollegen,einschließlich unseres Chef ( Tiefbau) immerhin dazu gebracht,das sie nun Wissen in welchem Gestein wir unsere Baugruben in unserem Kreis ausheben.Wenn ich nun die verschiedenen Verbandsnachrichten durchlese,finde in in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit nichts,was meinen Stand informieren sollte ( Den NORMALEN Arbeitnehmer ohne Geologischen,oder auch Paläontologischen Hintergrund )
    Also,Verbandsarbeit wird GEFORDERT !!!! Und falls dies aus Zeitlichen Gründen nicht zu realisieren ist,könnten die Mitgliederlisten ja einmal auf die Nebenberuflichen,bzw.die Hobby Geologen-bzw.Paläontologen durchsucht werden,diese haben dann bestimmt den fehlenden Draht zur restlichen Gesellschaft.
    JA !JA ! Ich weiß es,ich bin nur ein kurzes Flackern im Geologischen Zeitgeschehen,aber ich sehe es nun mal auch aus der Sichtweise des NORMALEN Arbeiters ! SORRY,falls ich mit meiner Meinung irgendjemand verärgert haben sollte.

  2. Lutz Geißler schrieb am 17. April 2010 um 20:42 Uhr :

    Lieber Herr Walther,

    im Kern gebe ich Ihnen Recht: geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit ist in Deutschland (und anderswo ebenso) unterentwickelt angesichts der massiven georelevanten Themen und Probleme, mit denen die Gesellschaft täglich konfrontiert wird. Da ist noch ein gerüttelt Maß an Arbeit nötig, die konsequenter- und praktischerweise von den großen Geoverbänden unterstützt oder im besten Falle gremienübergreifend koordiniert werden sollte. Die Frage ist natürlich auch, wie Sie bereits angedeutet haben, wie man überhaupt die Bevölkerung erreichen kann. Wenn kein Interesse vorhanden ist, hilft auch die beste Öffentlichkeitsarbeit nicht – es sei denn, es wird ein Weg gefunden, Interesse zu wecken. Und das bedarf kluger Köpfe mit unkonventionellen Ideen.

    Vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag!

Schreiben Sie eine Anmerkung zum Beitrag

Sponsor werden

LINKS

LINKTIPPS

  • USA Reise zu den historischen Städten und Nationalparks mit Millionen von Jahren alten Felsformation Amerikas...