RUBRIK | Projektberichte

Schulbesuch

Online seit 1. Februar 2008 | Von Lutz Geißler

Unglaubliche sechs Jahre bin ich nun bereits mit dem Abitur gesegnet und habe die Schulzeit hinter mir gelassen. Es kommt mir vor, als hätte ich noch gestern der Geografielehrerin beim Klimadiagramme-Auswerten und dem Physiklehrer beim Versuch, die Maxwell’schen Gleichungen zu erklären, gelauscht. Die eigenen und zum Glück noch so lebendigen Schulzeiterfahrungen sind es, die es reizvoll machen, zurück an die Schulen zu gehen und Wissen auf eine andere Art zu vermitteln, als im Frontalunterricht, der täglich dem gleichen Prozedere folgt.

Vor zwei Tagen war es wieder einmal so weit. Mit einem Vereinskollegen, mittlerweile diplomierter Geologe, besuchten wir das Berufliche Schulzentrum für Wirtschaft und Sozialwesen in Lichtenstein/Sachsen. Auf uns wartete zu nachmittäglicher Stunde eine Klasse der Sekundarstufe II, die im zweiten Halbjahr das Thema Rohstoffe zu hören bekommt. Unsere Aufgabe war es, ihnen sozusagen eine spannende Einführung in die Thematik zu bieten (welche Rohstoffe stecken in welchem Produkt, wie sehen die jeweiligen Rohstoffe in der Natur aus, wie findet man Rohstoffe, wie sieht die deutsche Rohstoffsituation aus?).

Mit allerlei Erzbrocken, Gesteinen und Mineralen versuchten wir, eine kleine Diskussion zu möglichen Alltagsgegenständen anzuregen, in denen diese Stücke Verwendung finden könnten. Das Resultat (wie vermutet und nicht nur an Schulen) war gleich Null. Keine Ideen, kein Wissen über die Herkunft alltäglicher Dinge. Aber genau deshalb gehen wir an die Schulen. Nach gut einer Stunde Vortrag, einigen Fragen der Schüler und vielen “Gesteinskontakten” war die Verblüffung scheinbar groß.

Im Vergleich zu unseren früheren Schulvorträgen, die jeweils vor mehr als 100 Schülern stattfanden, war unser Aufenthalt in Lichtenstein der bisher erfolgreichste. Durch die geringe Zahl an Schülern kam eine viel bessere (bzw. überhaupt erstmal eine) Diskussion in Gang. Außerdem konnten wir uns viel stärker von unseren Folien lösen und auch mit den Schülern gemeinsam agieren – und zwar so, dass alle etwas davon mitbekamen. Mein Eindruck am Ende war durchweg positiv: die Schüler haben begriffen, dass alles in ihrem Alltag direkt oder indirekt mit der Erde unter ihren Füßen zu tun hat. Mehr kann man nicht erreichen. Oder anders gesagt: das ist das höchste Ziel, das man sich mit solch einem Vortrag stellen kann.

Die Lehrer waren begeistert. Sie hätten viel öfter Studenten an ihrer Schule. Es ist eben etwas anderes, wenn Studenten (die bis vor kurzem auch noch auf der Schulbank saßen) aus ihrer Erfahrung berichten oder die Lehrer versuchen, bestmöglich den Lehrplan zu erfüllen. Die Lehrer haben es in dieser Hinsicht äußerst schwer – da nützt oft noch so großes Lehr-Engagement nichts, wenn der Bezug zur eigenen Erfahrung fehlt. Und das schreibe ich nicht vorwurfsvoll. Die Lehrer selbst sagen uns dies immer wieder. Umso dringender ist es nötig, studentische Arbeitsgemeinschaften oder lose Zusammenschlüsse an den Uni-Instituten zu bilden, die mit einem gewissen Reisebudget ausgestattet ehrenamtlich Schulen besuchen, Erfahrungen und Wissen vermitteln. Ich konnte es zu Beginn wirklich nicht glauben, wie riesig der Bedarf der Schulen an solchen externen Vortragenden ist. Eine Stunde auf diese Weise gelehrt, ersetzt laut Meinung vieler Lehrer, mit denen wir ins Gespräch gekommen sind, mehrere Stunden “trockenen” Unterrichts.

An die Schulen!

2 Anmerkungen zu diesem Beitrag

  1. Martin schrieb am 5. Februar 2008 um 15:33 Uhr :

    Hallo Lutz,

    ein guter Bericht, so habe ich das auch empfunden. Schade das ich die nächste Zeit nicht da bin, ich würde gerne wieder einen solchen Vortrag halten.

    Glück Auf

    Martin

  2. Tobias schrieb am 7. Februar 2008 um 20:50 Uhr :

    Nabend Lutz,

    ich finde es toll, dass Martin und du mit einem so positiven Erfahrungsbereicht von der Schulstunde aufwarten könnt!
    Gerade auf diesem Wege erreicht man die meisten Augen und Ohren. Es wäre wünschenswert, dass neben den Lehrkräften, die bereits Vortragende in der Schule hatten auch z.B. die Lehrer, welche unseren Verein bis jetzt nur vom “Hörensagen” kennen selbst Initiative ergreifen und auf uns zu kommen. Aber bis diese Mobilität geweckt wird, bedarf es sicher noch viel Öffentlichkeitsarbeit. Also bleiben unsere eigenen Initiativen weiterhin der einzige Motor für geowissenschaftliche Bewusstseinsbildung.

    Glück auf!

    Tobias

1 Zitate zu diesem Beitrag

  1. geolismus.de » Blog-Archiv » Vortrag am Agricola-Gymnasium Chemnitz schrieb am 9. Juli 2008 um 16:03 Uhr :

    [...] erklärt. Gut eine Stunde dauerte das Programm. Ähnlich den meisten Schulbesuchen zuvor (mit Ausnahme des letzten), verhielten sich die Schüler aufmerksam, aber sehr “gelähmt” und inaktiv. Es [...]

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