RUBRIK | 4: Meinungen

Einseitige Öffentlichkeitsarbeit?

Online seit 8. Februar 2008 | Von Lutz Geißler

Wie die Lausitzer Rundschau heute berichtete, tourt Vattenfall derzeit mit einem Klimabus durch Brandenburg und Berlin. Ziel ist es, laut der Aktions-Website von Vattenfall, Schüler über Energiesparmaßnahmen zu informieren und zum Klimaschutz zu animieren. Ein Schelm, wer da nichts Böses denkt – wie zum Beispiel die Naturschutzfraktion in Brandenburg.

Im “Klima-Lügendetektor-Blog” wird das Engagement von Vattenfall als sehr einseitig beschrieben, also genauso einseitig wie die Argumentation im genannten Blog.

Sicher, Vattenfall wird solch einen Klimabus nicht ohne Eigennutz in die Welt gesetzt haben – schließlich wurde in letzter Zeit nicht nur bezüglich der eigenen Atom-, sondern auch durch die Bauplanung neuer Kohlenkraftwerke am Firmen-Image gekratzt. Doch der Eigennutz ist den Lehrern und Schülern durchaus bewusst, wie die im Artikel der Lausitzer Rundschau beschriebenen Reaktionen zeigen. Es wird niemandem damit geholfen, einseitig Informationen zu streuen – sei es durch Vattenfall oder durch die “Naturschützer”. Der Mittelweg ist das Ziel.

Und so halte ich persönlich die Vattenfall-Schul-Tour für äußerst löblich, da dadurch der Schulalltag durch Informationen bereichert wird, die Schüler und Lehrer sonst nie so erhalten hätten – und sicher sind sie fähig, diese Informationen kritisch zu bewerten. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Unternehmen diese Infos vermittelt, kann doch niemand etwas gegen eine Sensibilisierung der Schüler für den Klima- und Umweltschutz haben, auch wenn Vattenfall Braunkohle verfeuert.

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5 Anmerkungen zu diesem Beitrag

  1. fj schrieb am 11. Februar 2008 um 21:30 Uhr :

    “Im ‘Klima-Lügendetektor-Blog’ wird das Engagement von Vattenfall als sehr einseitig beschrieben, also genauso einseitig wie die Argumentation im genannten Blog.”

    Sehr schön gesagt! ;-)

    Das ist genau das, was mich an den Vattenfall-Diskussionen hier (ich lebe in Cottbus) so nervt. Vattenfall (bzw. früher Laubag) hat sicher so einigen Dreck am Stecken und manch Dummheit begangen, aber die Kontra-Fraktion ist oft auch recht unsachlich und einseitig (manchmal geradzu tumb). Die Sache mit dem Klimabus kann man ja noch halbwegs normal diskutieren, aber es gibt hier so ein paar Themen (ich sag nur Lakoma), wo beide Seiten den Bereich einer wenigstens in Spuren noch vorhandenen Rationalität schon weit hinter sich gelassen haben.

  2. Lutz Geißler schrieb am 12. Februar 2008 um 08:33 Uhr :

    Da kann man auf beiden Seiten nur auf zukünftige Besserung hoffen, wenngleich ich dabei eher skeptisch bin. Die Naturschützer sind unentbehrlich, weil sie auf Probleme aufmerksam machen und Diskussionen anregen. Auf der anderen Seite ist der Braunkohlenabbau derzeit noch unentbehrlich, weil ansonsten ein Großteil der deutschen Energieversorgung lahmgelegt wird. Warum nicht “erneuerbare” und fossile Energien im Verbund nutzen bis wir wissenschaftlich und technisch so weit sind, auf fossile Energien zu verzichten. Abgesehen von der CO2-Problematik, die derzeit an erster Stelle bei den Naturschützern steht, geht es ihnen ja auch immer um die bergbaulichen Eingriffe in die Natur. Und genau das kann nie verhindert werden – auch nicht im zukünftigen Zeitalter von Solar- und Windenergie, denn für Solarzellen sind ebenso Bergwerke nötig wie für Windkraftanlagen. Irgendwo müssen ja Silizium und Eisen/Stahl herkommen…

  3. Sascha Hubertus schrieb am 14. Februar 2008 um 12:08 Uhr :

    Schade, dass die Tragweite einer solchen “Aufklärungsmaßnahme”, wie es die Befürworter oder “Neutralen” bezeichnen nicht wirklich ans Tageslicht kommt. Man muss sich die Frage stellen, wie nun verhindert werden kann, dass auch Mc-Donalds, Nokia, Shell oder ähnliche Firmen mit “Aufklärungsarbeit” an noch nicht meinungsgefestigten Bürgern betreiben dürfen (denn das Recht dürfe ja dann für andere Firmen gelten).
    Von einer “Aufklärungsarbeit” kann im (Vatten-)Fall wohl kaum gesprochen werden, vielmehr von “Verklärungsarbeit”. Böse Zungen könnten auch von Lobbyarbeit oder Manipulation Minderjähriger sprechen.

  4. Sascha Hubertus schrieb am 14. Februar 2008 um 12:11 Uhr :

    Betreibt Vattenfall eigentlich auch “Aufklärungsarbeit” bei Schülern, die in nähereren Umgebung Ihrer Atomkraftwerke aufgewachsen und an Krebs erkrankt sind? Was halten diese Kinder von “Strom sparen” und Kernenergie?

  5. Lutz Geißler schrieb am 14. Februar 2008 um 14:56 Uhr :

    Hallo Herr Hubertus,

    Ihre letzte Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Da müssen Sie sich schon mit Vattenfall in Verbindung setzen (auch wenn es eine rhetorische Frage war).
    Zu Ihrem ersten Kommentar sei nur so viel gesagt: es kann Unternehmen (noch) nicht verboten werden, Informationsarbeit zu leisten – es ist sogar ihre Pflicht. Inwieweit das dann in Lobbyarbeit und Manipulationsversuchen ausartet, muss das Unternehmen selbst und vor allem die “Zielgruppe” bewerten. Die Schulen werden meines Erachtens sehr genau hinschauen, welche Information von welchen Unternehmen sie auf ihre Schüler loslassen.

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