Der versteinerte Wald von Chemnitz wird fast allen Geowissenschaftlern ein Begriff sein – nur außerhalb der Fachbereiche schwindet die Kenntnis über die verkieselten Relikte einer vulkanischen Katastrophe rapide. Dies ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass nur wenige der Stämme öffentlich präsentiert werden.
Jahrelang standen die imposanten fossilen Hölzer an der zur Straße der Nationen gewandten Fassade des Chemnitzer Naturkundemuseums neben der Oper. Mit dem Umzug des Museums in das sanierte Kaufhaus Tietz, wurden auch die Baumstämme umgesetzt – in das Innere des Tietz’, und damit an einen geschützteren, aber gleichsam ungünstigeren Ort zur öffentlichen Präsentation dieser weltweit einmaligen permischen Kostbarkeiten. Mit einer Grabung und einem innovativen Marketingkonzept macht Chemnitz nun jedoch erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit – und von sich reden.
Ronny Rößler, Absolvent der TU Bergakademie Freiberg und Leiter des Naturkundemuseums, plant eine umfangreiche wissenschaftliche Grabung nach weiteren Baumstämmen. Zwar wurden innerhalb der letzten 300 Jahre etliche der pflanzlichen Fossilien gefunden, doch waren dies Zufallsfunde, vor allem bei Bauarbeiten im Rahmen der Stadterweiterung Anfang des 20. Jahrhunderts. Nun ist geplant, eine erste systematische Suche im Chemnitzer Stadtteil Hilbersdorf in Angriff zu nehmen. Dabei spielen nicht nur paläobotanische Fragen wie zum Beispiel die des exakten Aufbaus der Pflanzen eine Rolle, sondern auch geologische Einzelheiten zur Schichtabfolge, ihrer Entwicklung und der Lage der Stämme. Des reinen Sammelns wegen, sei die Grabung keinesfalls ausgelegt, so das Chemnitzer Naturkundemuseum auf seiner Projekt-Website.
Mehr als ein halbes Jahr lang dauerten die Vorbereitungen der Grabung. Ab April soll nun mit den Vorarbeiten begonnen werden, um die Grabungsstelle optimal für die wissenschaftlichen Untersuchungen herzurichten und bereits abgetragenen Hangschutt auf Fossilien zu untersuchen. Von Mai bis September ist die Hauptphase der Grabung angesetzt, in der die Hölzer an der etwa fünf Meter tiefen Basis des so genannten Zeisigwald-Tuffs freigelegt werden sollen. Ab Oktober ist der Rückbau der Grabungsstelle geplant. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst im Spätherbst mit der wissenschaftlichen Dokumentation und Beschreibung der Fundstücke. Auf welche Art die erwarteten Großfunde später präsentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, hängt sicher auch vom Grabungsverlauf ab. Eine erfolgreiche Probegrabung im Oktober letzten Jahres lässt jedoch hohe Erwartungen aufkeimen.
Unterdessen hat sich eine private Interessengemeinschaft aus Chemnitzer Unternehmern und Selbstständigen zusammengefunden, die unter der Bezeichnung “Waldspaziergang” die öffentlichkeitswirksame Vermarktung des fossilen Schatzes vorantreiben. Geplant ist, die aus der Grabung geborgenen 290 Millionen Jahre alten Bäume in einer Art Park anzuordnen. Der Besucher solle dann durch den wiederauferstandenen fossilen Regenwald des Perms wandeln können. Ob nun gleich vom “Achten Weltwunder” gesprochen werden sollte, ist fraglich. Aber das gehört zum Marketing. “Das Naturkundemuseum unterstützt diese und auch gern andere Initiativen uneingeschränkt”, wie Ronny Rößler uns auf Nachfrage mitteilte. Ohne private Unterstützung sei solch ein Projekt kaum durchführbar. Und so können sich das Naturkundemuseum und sein Direktor Rößler glücklich schätzen, dass ihm etliche ehrenamtliche Helfer sowohl bei den Grabungsarbeiten als auch für die Öffentlichkeitsarbeit den Rücken stärken.




