Kunst in der Tiefe

Online seit 18. März 2008 | Von Lutz Geißler

Im sächsischen Freiberg wird derzeit ein Projekt umgesetzt, das wohl selten oder gar einmalig ist. Es nennt sich “Kunst in der Tiefe”. Nicht nur der Ausstellungsort soll Tiefe haben, sondern auch das künstlerisch zu bearbeitende Thema.

Kunst in der TiefeEs geht um die Endlichkeit der Ressourcen und die Nachhaltigkeit ihrer Nutzung. Interessant wird sein, wie Künstler mit solch einer trockenen Thematik umgehen werden. Dabei wird der Begriff “Ressourcen” in seiner Bedeutung im Wettbewerb bewusst nicht eingeschränkt, wenngleich der Wettbewerbsort Freiberg mit seiner langen Rohstoff- und Bergbaugeschichte für die geo- und montanwissenschaftliche Begriffsauslegung prädestiniert erscheint.

Welche gesellschaftliche Relevanz haben Ressourcen und ihre Verknappung im Laufe der Zeit? Sind wir Menschen fähig, endliche Ressourcen so klug zu nutzen, dass auch künftige Generationen von ihnen leben können? Welche Rolle spielt die Forschung zur Abschätzung der tatsächlich vorhandenen Ressourcen?

Solche und viele Fragen mehr dürften sich die teilnehmenden Künstler stellen, um ihre Kunstwerke zum Betrachter sprechen zu lassen. Und es müssen besonders robuste Werke sein, denn der Ausstellungsort befindet sich etwa 150 Meter unter Freiberg im Lehrbergwerk “Reiche Zeche” der TU Bergakademie Freiberg. Temperaturen um 8°C, eine Luftfeuchtigkeit von knapp unter 100% oder Tropfwasser dürfen den Arbeiten nichts anhaben, könnten aber gleichzeitig kreativer Teil des Kunstwerks sein. Der Ausstellungsort, der nach Plan ab 31. Mai 2008 drei Monate lang der Öffentlichkeit zugänglich sein soll, zeichnet damit die grundlegende Erkenntnis nach, das alles zum Thema Ressourcen endlich ist – sie selbst wie auch die Kunstwerke im Spiel der untertägigen Kräfte.

“Kunst in der Tiefe” verbindet auf einzigartige Weise die Geo- und Montanwissenschaften mit der Kunst, um die oft abstrakte Rohstoffthematik auf emotionaler Ebene näher an die Menschen zu bringen. Um dies optimal zu erreichen, ist das Projekt in zwei Wettbewerbsabschnitte geteilt. Im ersten Schritt wählte eine Jury aus Kunstschaffenden und Wissenschaftlern bis zum 16. März aus 29 Projekten von 24 Bewerbern zehn Entwurfsarbeiten mit dem größten Potential aus und schickte sie in die zweite Runde. Die danach bis 14. April von den Künstlern vorzulegenden Umsetzungskonzepte werden bis 26. April von der Jury bewertet. Erst durch nochmalige Auswahl aus diesen Konzepten wird die endgültige Konstellation der Künstler und ihrer Kunstwerke festgelegt.

Das gesamte Projekt wird vom Freiberger Pi-Haus e.V. getragen, der sich vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert, seit zwei Jahren aber auch verstärkt soziokulturelle Angebote unterbreitet. Die Schirmherrschaft von “Kunst in der Tiefe” hat Prof. Dr. Georg Unland übernommen, der gleichzeitig als Rektor der TU Bergakademie Freiberg die Wissenschaft repräsentiert. Projektpartner sind neben der Bergakademie und der Reichen Zeche auch und vor allem die Projektentwicklungsagentur ar2vis aus Basel und ein regionales Design-Büro.

Da stellt sich die Frage, wie der Freiberger Verein auf eine solch einzigartige Idee kommt. Mitarbeiter Peter Wagler erklärt dazu gegenüber geolismus.de: “Die Idee stammt von Heiko Meyer, der als Jugendlicher Besucher und Nutzer der Angebote des Pi-Hauses war. Heute arbeitet er als Architekt in Basel. Die Anregung zur Ausstellung kam während der 2006 vom Pi-Haus und dem Kulturamt veranstalteten Aktion ‘Kunst findet statt’, bei der leerstehende Geschäftsflächen in Freiberg für Ausstellungsprojekte nutzbar gemacht wurden. Daraufhin wurde ein Konzept für “Kunst in der Tiefe” entwickelt und die Veranstaltung beworben.” Stellt sich die Frage nach den Kosten. Immerhin wird ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro vergeben. Kosten zur Umsetzung der Künstlerideen schlagen mit 5.000 Euro zu Buche. “Die Mittel für das Projekt stellen zum Teil der Verein, zum Teil kleinere Freiberger Firmen. Die Deutsche Solar konnte als Hauptunterstützer gewonnen werden. Nach wie vor werden Unterstützer gesucht.”, berichtet Wagler.

Wenn der Wettbewerb den erhofften Erfolg beim Publikum erzielt, könnte er nach Peter Wagler auch in den folgenden Jahren fortgesetzt werden.

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  1. geolismus.de » Blog-Archiv » Kunst in der Tiefe - Ausstellungseröffnung schrieb am 27. Mai 2008 um 06:27 Uhr :

    [...] bereits in einem anderen Artikel angekündigt wurde, wird ab 31. Mai die Untertage-Ausstellung “Kunst in der Tiefe” [...]

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