Von Dr. Angelika Hesse.
Dr. Angelika Hesse ist Kustodin am Museum für Naturkunde und Vorgeschichte in Dessau (Sachsen). Sie ist am Museum für den Fachbereich Geowissenschaften zuständig.
Einblicke in die Entwicklung einer Ausstellung.
Als im Januar 2007 zunehmend Kinder beim Museumsbesuch Dinosaurier aus Stoff oder Plastik fest in ihren Händen umklammert hielten, wurde die Idee geboren, in Dessau-Roßlau eine Saurier-Ausstellung anzubieten.
Das Konzept
Die Ausstellung zeigt die neuesten Erkenntnisse der Dinosaurier-Forschung – vor allem der letzten zehn Jahre: Angefangen von Europasaurus holgeri, eine Zwergform der gigantisch großen Sauropoden aus dem Jura des Harzes, über Funde von befiederten Dinosauriern, die eindeutig die Abstammung der Vögel von theropoden Dinosauriern belegen, bis zu dem Unterschied Dinosaurierfeder und Vogelfeder und der Vogelfeder als alleiniges Merkmal der Vögel. Präsentiert werden auch die neuesten Ergebnisse zum Urvogel Archaeopteryx, einer ausgestorbenen Seitenlinie der modernen Vögel sowie unterschiedliche Gruppen von Sauriern, z. B. Flugsaurier, die krokodilähnlichen Phytosaurier der Obertrias, die Säugetierähnlichen Reptilien. Außerdem widmet sich die Ausstellung den Fischsauriern, die nicht durch den bekannten Meteoriten-Einschlag vor 65 Millionen Jahren ausgestorben sind, sondern schon sehr viel früher, in der mittleren Kreide, durch das Aufkommen moderner, sehr schneller und wendiger Haie, die den Fischsauriern den Garaus machten.
Unser Beitrag
Mein Kollege baute ein 1:1-Modell eines Europasaurus, der nach Abschluss der Ausstellung in die geologische Dauerausstellung integriert wird. Zwei Landschaften des Erdmittelalters, ebenfalls 1:1 nachgebaut, zeigen die unterschiedlichen Lebensräume der Dinosaurier: eine 20 qm große Jura-Landschaft mit 25 qm Hintergrundfläche und eine 20 qm große Kreide-Landschaft mit Original-Trittspuren von Iguanodon, die Leihgaben der Freien Universität Berlin sind
Die Exponate
Die wenigsten Ausstellungsstücke kommen aus dem eigenen Haus. Großzügig überließen uns Leihgeber attraktive Exponate für die Dauer der Ausstellung, so zum Beispiel Schädel und die sechs Meter lange Halswirbelsäule des Brachiosaurus brancai aus dem Museum für Naturkunde Berlin samt Original-Fotos und Transport-Trommeln der erfolgreichsten Dinosauriergrabung aller Zeiten in Tendaguru, Tansania. Aus dem LWL-Museum für Naturkunde Münster stammt ein lebensgroßes Modell eines Iguanodon-Jungtiers, zwei Dinosaurier-Schädel, ein Dinosaurier-Gelege, Phytosaurier-Schädel und ein Dinosaurier-Skelett. Aus dem Städtischen Museum Aschersleben stammt der gigantisch große Oberschenkel eines Brachiosaurus. Aus dem Museum Heineanum Original-Knochen von Plateosaurus, die in Halberstädter Tongruben beim Ton-Abbau in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts individuenreich an das Tageslicht gekommen waren. Aus dem Geol. Museum der Universität Münster konnten zahlreiche Knochen von Iguanodon ausgeliehen werden, die aus dem Sauerland stammen. Dort wurden ca. 40 Individuen von Iguanodon gefunden. Besonders beeindruckend ist der riesige Schädel von Tyrannosaurus rex, einer Leihgabe der Fa. Krantz aus Bonn, der hoch über den Besuchern im Foyer des Museums schwebt. Ein Modell eines Tyrannosaurus rex wurde auch von der Fa. Zoo-Günther, Dessau-Roßlau zur Verfügung gestellt. Die Freie Universität Berlin und die Universität Göttingen überließen uns großzügig Original-Dinosaurierknochen, -Eier und –Trittspuren.
Museumspädagogische Angebote
Um die Sonderausstellung pädagogisch zu begleiten, wurden spezielle Angebote erarbeitet. So können Dinosaurier-Bilder von den Kindern ausgemalt und mit Federn beklebt werden, damit sie spielerisch lernen, dass manche Dinosaurier befiedert waren. In Schuhkartons können unterschiedliche Landschaften gestaltet werden, in denen Dinosaurier gelebt haben: eine Jura-Landschaft mit Nadelbäumen und Farnen oder eine Kreide-Landschaft mit Laubbäumen und Blütenpflanzen. Jedes Kind erhält zur Gestaltung drei bis vier Mini-Modelle der Dinosaurier, die in der entsprechenden Zeit gelebt haben.
Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Presse, Rundfunk und Fernsehen zeigten großes Interesse beim Transport des Europasaurus-Modells in einem VW-Bus von der Museums-Außenstelle in das Museums-Hauptgebäude, außerdem bei der Pressekonferenz und bei der Ausstellungseröffnung. [Anm. d. Red.: Mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Ausstellung wird sich ein weiterer Artikel zu einem späteren Zeitpunkt befassen. Die Ausstellung ist noch bis 14. September 2008 zu sehen.]



