Bilder vs. Schrift auf A6-Printmedien – zwei Konzepte auf dem Prüfstand

Online seit 7. Juli 2008 | Von Lutz Geißler

Im Rahmen der Aktion “Wir sind überall” wurden die internetbasierten Informationen zu Geo- und Montanwissenschaften im Alltag von Beginn an mit Printmaterialien kombiniert. Neben Plakaten spielten Postkarten eine große Rolle. Im ersten Jahr der Aktion haben wir postkartengroße Handzettel veröffentlicht, die mit kurzen Fragen nach Alltagsgegenständen (“Kein Auto?”, “Kein Wasser?, “Keinen Computer?”, “Kein Licht?”, Kein Bad?”) Irritation erzeugen und zum Nachdenken anregen sollten.

Die einseitig bedruckten Zettel waren nur mit Schrift und einfarbigem Hintergrund gestaltet. Beim Verteilen und Auslegen dieser Medien konnten wir jedoch feststellen, dass die Farben zwar Interesse wecken, aber dieses Interesse kurze Zeit später erlischt und die Zettel wieder weggelegt werden. Dieses Verhalten konnten wir sowohl auf den Mineralientagen in München als auch bei mehreren Aufenthalten in Halle feststellen. Das Mitnehmen ist jedoch essentiell, um Interesse für die Aktionswebsite zu wecken.

Postkarte “Kein Licht?” aus dem ersten Jahr der Aktion “Wir sind überall”

Die Nachteile der Handzettel sind zusammengefasst folgende:

  • pure Schrift ohne Bilder verleitet nicht zum Mitnehmen der Informationen – die Zettel werden nur von wirklich Interessierten eingepackt, die schon vorher wissen, dass sie auf die Website schauen möchten
  • das Postkartenformat (A6) ist handlich, aber die Papierstärke eines Handzettels macht nicht viel her und animiert ebenfalls nicht zum Mitnehmen
  • das einseitige Bedrucken hat den Nachteil, dass der Betrachter aus Reflex auch auf der Rückseite nach Infos sucht und enttäuscht ist, dort keine zu finden (das war häufig ein spontaner Grund, die Zettel wieder wegzulegen)

Aus diesen Erfahrungen heraus wurden im zweiten Jahr neue Infomaterialien gestaltet, die folgende Eigenschaften haben:

  • erneut Postkartenformat, aber in typischer Postkarten-Papierstärke
  • die Vorderseite besteht aus einem ansprechenden Foto (glänzend), in das am oberen oder unteren Rand ein Satz eingefügt wurde (“Ihr Alltag ist durstig”, “Ihr Alltag ist standhaft”, “Ihr Alltag ist in Gefahr”, “Ihr Alltag wird sich verändern”, “Ihr Alltag beginnt unter der Rasensohle”)
  • die Rückseite ist mit wenigen Sätzen bedruckt, die den Satz der Vorderseite erläutern und auf die Website hinweisen – außerdem sind postkarten-typische Adresszeilen aufgedruckt

Postkarte “Ihr Alltag ist in Gefahr” mit dem Vulkan Stromboli (Italien)

Postkarten-Rückseite “Ihr Alltag ist in Gefahr” mit dem Vulkan Stromboli (Italien)

Diese “echten” Postkarten haben nicht nur den Vorteil, dass sie wegen der hochwertigen Fotos fast immer Interesse wecken, sondern sie haben zusätzlich einen Mehrwert für unsere “Zielgruppe”. Die Karten sehen in erster Linie gut aus. Erst auf den zweiten Blick wird der Betrachter mit Informationen bedient. Dann hat er die Karten aber bereits bei sich zu Hause und kann sich in aller Ruhe damit auseinandersetzen. Zudem wirken die Postkarten nicht wie “Werbung”, sondern können wegen der ansprechenden Motive ohne Probleme als normale Postkarte an Bekannte und Verwandte geschickt werden. Der Wirkungsradius dieser Printmedien erhöht sich im besten Falle also erheblich.

Der direkte Vergleich der Reaktionen auf die alten und neuen Karten ist verblüffend. In Halle legten wir als kleines Experiment die Handzettel neben die Postkarten. Die Zettel wurden zwar angeschaut, aber danach wieder hingelegt – die Internetadresse der Aktion gelangt so nicht zum Betrachter nach Hause. Anders bei den Postkarten. Diese werden, ohne zu Zögern und auch ohne sich den Inhalt der Karten genauer anzusehen, eingepackt, weil sie “so schön sind”. Erst zu Hause wird sich damit weiter befasst. Damit landet auch die Internetadresse als Zugang zu vielfältigen Informationen direkt dort, wo sie hingehört: an den heimischen PC.

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