Seit der Neueröffnung der geowissenschaftlichen Ausstellungsbereiche im Naturkundemuseum Berlin (“Evolution in Aktion”) geisterten vor allem die so genannten Juraskope durch die Medien- und Medienpreislandschaft. Doch ein Besuch des Museums bringt noch mehr kluge Einfälle zur Ausstellungskonzeption zu Tage.
Da wären zum Beispiel in Knie- bis Hüfthöhe angebrachte, interaktive Infotafeln, die kurzweilige und verständliche Texte zu den dahinter präsentierten Exponaten aus der Gesteins- und Fossilwelt bieten. Der Clou: wichtige Begriffe sind durch Unterstreichung hervorgehoben und können mit dem Finger angetippt werden. Das Antippen wiederum startet in einem in die Tafel integrierten Bildschirm ein kurzes Video mit Hintergrundinformationen und überwältigenden Aufnahmen von Vulkanen, Lava oder Fossilien.

Texte werden lebendig: Ein Fingerdruck auf den starren Text aktiviert Videoclips.

Begeisterte Kinder und Eltern vor den interaktiven Infotafeln.
Diese vor allem bei Kindern sehr beliebte Variante, Text lebendig zu machen, findet ihre Fortsetzung an einer großen Erdkugel, die dem Besucher zum einen den Blick in ihr Inneres preisgibt. Zum anderen ist an diesem überdimensionalen Globus ein großer Flachbildschirm montiert, der über die Erde “wandert” und ihre Oberfläche scannt. An bestimmten Lokationen, zum Beispiel auf der Halbinsel Yukatan, stoppt der Bildschirm und verwandelt die eigentlich starre Erdoberfläche in spannend animierte und erzählte geologische Geschichte.

Ein Infobildschirm scannt die Erdoberfläche ab und liefert spannende Bildungsfilme zu bestimmten Regionen.
Eine geowissenschaftlichen Exponaten natürlicherweise innewohnende Starrheit im zeitlichen Kontext lebendig und damit verständlich zu machen, ist denn wohl auch der Leitfaden des überarbeiteten Ausstellungskonzeptes. Weiteres Beispiel dafür ist unter anderem ein Impaktsimulator, der aus vom Besucher über Schieberegler wählbaren Einschlagsparametern das Ausmaß der Zerstörung eines in Berlin “landenden” Meteoriten veranschaulicht.
Auch hat der Besucher die Möglichkeit, geologische Geschichte in Sekunden statt in Millionen von Jahren ablaufen zu lassen. Einmal am Schieberegler der Plattenverschiebung manipuliert und schon wandern die kontinentalen Platten auf dem Bildschirm von ihrer ordovizischen in die kretazische Position – ein roter Punkt für Berlin wandert natürlich mit. Erst dieser regionale Bezug macht es für den Besucher besonders spannend.
Ein Besuch des Naturkundemuseums Berlin lohnte sich schon immer. Doch die neu erarbeitete Ausstellung zu den Geowissenschaften ist vor allem für Kinder ein Abenteuerspielplatz der anderen Art. Wissen wird beiläufig und mit Spaß vermittelt. Sicher sind die Juraskope das Highlight. Aber auch die anderen medialen Neuinstallationen können mithalten. Fazit: Absolut gelungen und ein Paradebeispiel, wie Geowissenschaften heute an Mann, Frau und Kind gebracht werden können.






