Die Edelsteine des Mittelalters – Sonderausstellung in München

Online seit 6. Januar 2010 | Von Rupert Hochleitner

Wie stellte man sich im Mittelalter die Entstehung der Edelsteine vor? Was für Steine waren der Froschstein und der Gebärstein? Warum hieß der Diamant Adamas und warum glaubte man, dass er durch Bocksblut zerstört werden könne? Was hat es mit dem sagenumwobenen Karfunkel auf sich, mit dem die Gralsritter versuchen die blutige Wunde des König Anfortas zu heilen? Um was für einen Stein handelt es sich eigentlich bei dem mysteriösen Waisen? Und was hat es mit dem heiligen Gral auf sich – einem  Stein, der der Sage nach vom Himmel kam? Und wieso tragen die Bischöfe seit dem Mittelalter einen Amethysten in ihrem Ring?

Diesen Fragen geht die neue Sonderausstellung “Die Edelsteine des Mittelalters” im Museum Reich der Kristalle München vom 08.12.2009 bis 11.04.2010 nach.

Ausstellungsplakat zu "Die Edelsteine des Mittelalters"

Ausstellungsplakat zu "Die Edelsteine des Mittelalters"

In Dichtung, Kunst, Religion und Politik vieler Kulturen haben Steine und Edelsteine eine bedeutende Rolle gespielt. In Europa war dies besonders im Mittelalter der Fall. Um Steine und Edelsteine entstehen zu dieser Zeit zahlreiche Mythen, Märchen und Legenden. Überdies kommt ihnen in der Kultur des mittelalterlichen Christentums ein hoher Stellenwert zu. Nicht nur Wolfram von Eschenbach schreibt den Edelsteinen im berühmten Parzivalroman besondere medizinische und magische Wirkungen zu; hier ebenso wie in vielen anderen mittelalterlichen Dichtungen haben sie auch einen ganz besonderen Stellenwert für die ritterliche Elite.

Es fällt auf, dass in der mittelalterlichen Kultur bestimmte Steine und Edelsteine eine herausragende Stellung einnehmen. Dazu gehören z.B. der Diamant, die Perle, der Smaragd und der Amethyst. Dazu zählen aber auch sagenhafte und mythische Steine, wie z.B. der Karfunkel, der uns heute als “Märchenstein” in zahlreichen Zusammenhängen begegnet, oder der berühmte Gral, der im Parzival als ein Stein von herausragender magischer und mythischer Wirkung beschrieben wird. Zu den sagenhaften Steinen gehört aber auch der sogenannte Waise, ein mysteriöser, seit dem Mittelalter verschwundener Edelstein, der bis heute als berühmtester Stein der Reichskrone gilt und in der politischen Propaganda Ende des 12. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielte.

Doch nicht nur verschiedene einzelne Steine sind im Mittelalter wichtige Bedeutungsträger. Immer wieder stößt man in der Kultur dieser Zeit auf die Zahl von 12 Edelsteinen, die bereits im Alten und Neuen Testament eine wichtige Rolle spielt. So ist nicht nur der Brustschild des jüdischen Hohenpriesters mit 12 Edelsteinen geschmückt, sondern auch das Himmlische Jerusalem aus 12 Edelsteinen gebaut.

Die reich besetzte Kaiserkrone. (Copyright: Museum Reich der Kristalle München)

Die reich besetzte Kaiserkrone. (Copyright: Museum Reich der Kristalle München)

Die Ausstellung “Edelsteine des Mittelalters” vermittelt einen Einblick in Bedeutung und Stellenwert der Edelsteine im Mittelalter. Sie spannt einen Bogen, der von der Präsentation bedeutender einzelner Steine und Edelsteine bis hin zur Vorstellung einiger Bereiche der mittelalterlichen Kultur reicht, in denen Edelsteine eine wichtige Rolle gespielt haben.
Im Mittelpunkt stehen dabei u. a. die Perle, der Diamant, der Karfunkel und der Amethyst, das Himmlische Jerusalem und seine 12 Edelsteine, Parzival und der Gral, die Reichskrone und der mysteriöse Waise
Den optischen Mittelpunkt bildet das aufgebaute Himmlische Jerusalem. Mit dem schillernden Glanz von Gold, Perlen und Edelsteinen erwacht es in der Ausstellung zum Leben und tritt dem Besucher mit seinem faszinierenden  Licht entgegen.

Das Besondere der Ausstellung:
Die Ausstellung beruht auf der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Dr. Ingvild Richardsen und dem Museum Reich der Kristalle (Dr. Rupert Hochleitner und Dr. Melanie Kaliwoda). Auf diese Weise konnten eine Reihe bisher ungeklärter Fragen gelöst werden.

Dementsprechend erscheinen die “Edelsteine des Mittelalters” in der Ausstellung in einem “neuen Licht”: Die 12 Edelsteine des Himmlischen Jerusalem, der Gralsstein, der Karfunkel, der mysteriöse Waise und andere Steine wurden interdisziplinär unter die Lupe genommen und mit ihnen verbundene Legenden und Mythen erstmalig mineralogisch erklärt.

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  1. Die Edelsteine des Mittelalters – Sonderausstellung in München schrieb am 15. Januar 2010 um 14:40 Uhr :

    [...] In Dichtung, Kunst, Religion und Politik vieler Kulturen haben Steine und Edelsteine eine bedeutende Rolle gespielt. In Europa war dies besonders im Mittelalter der Fall. Um Steine und Edelsteine entstehen zu dieser Zeit zahlreiche Mythen, Märchen und Legenden. Überdies kommt ihnen in der Kultur des mittelalterlichen Christentums ein hoher Stellenwert zu. Den originalen Beitrag finden Sie hier http://www.geonetzwerk.org/ … | Rupert Hochleitner [...]

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