Mit der offiziellen Verleihung des Gütesiegels „Nationaler Geopark“ durch den Präsidenten der GeoUnion, Prof. Dr. Rolf Emmermann, an den Landrat des Träger-Kreises Waldeck-Frankenberg, Dr. Reinhard Kubat, heute im Wolfgang Bonhage-Museum in Korbach und der Unterzeichnung der Geopark-Charta ist es nun „amtlich“: Der Geopark „Grenzwelten“ ist der zweite zertifizierte Geopark in Hessen und der 13. in Deutschland.
In Anwesenheit der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, umriss Landrat Dr. Kubat die Motivation und Zielsetzung, die mit der offiziellen Anerkennung des Geoparks verbunden ist: „Wir möchten als Träger gemeinsam mit unseren Partnern den regionalen Tourismus weiter forcieren. Insbesondere den Bereich „Naturtourismus“ wollen wir gezielt weiter entwickeln und versprechen uns durch das Zertifikat eine spürbare und nachhaltige Stärkung.“

Anlässlich der feierlichen Übergabe der Urkunde an den neuen Nationalen GeoPark GrenzWelten in Korbach präsentieren die Veranstalter und Ehrengäste kleine Abbilder des "Procynosuchus", der paläontologischen Besonderheit aus der "Korbacher Spalte", einem der wichtigste Anlaufpunkte des neugeschaffenen Geoparks (v.l.: Otto Wilke, Kreisbeigeordneter und Geopark-Gründer; Prof. Dr. Rolf Emmermann, Präsident der GeoUnion; Klaus Friedrich, Bürgermeister von Korbach; Eva Kühne-Hörmann, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst; Norbert Panek, Geopark-Projektbüro des Landkreises Waldeck-Frankenberg). Foto: GeoUnion
Träger des Geoparks ist der Landkreis Waldeck-Frankenberg, der mit den beteiligten Kommunen sowie den fünf in der Region agierenden LEADER-Foren Partnerschaftsverträge abgeschlossen hat, in denen die Zusammenarbeit verbindlich festgeschrieben wird. Für den Betrieb des Geopark-Projektbüros in Korbach stellt der Landkreis jährlich 40.000,- Euro an Sachmitteln bereit. Notwendige Infrastrukturmaßnahmen werden von den jeweiligen Geopark-Partnern vor Ort finanziert und umgesetzt. Bereits vorhandene Einrichtungen wie Besucherbergwerke oder Museen sind konzeptionell integriert.
Die rund 3.700 km2 Geoparkkulisse umfasst den Landkreis Waldeck-Frankenberg sowie angrenzende Kommunen in den Landkreisen Kassel, Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf sowie Hochsauerland (NRW). Anteilig gehören dazu auch die bestehenden Naturparke „Rothaargebirge“ in Nordrhein-Westfalen sowie „Diemelsee“, „Habichtswald“ und „Kellerwald-Edersee“ in Hessen. Im Geopark liegt außerdem der 5.724 Hektar große Buchenwald-Nationalpark am Edersee. Das Geopark-Leitmotto „GrenzWelten – WeltenGrenzen“ wurde mit Bedacht gewählt und nimmt die vielfältigen geologischen, aber auch naturräumlichen und kulturhistorischen Grenz-Situationen in der Region auf. Sie sind Charakteristikum und Alleinstellungsmerkmal des Geoparks, dessen Logo ein Reptil aus der ebenfalls im Nationalpark gelegenen „Korbacher Spalte“ – den „Procynosuchus“ – in stilisierter Form zeigt.

Präsentation der Urkunde für den neuen Nationalen GeoPark GrenzWelten sowie der Geopark-Charta der Geopark-Partner (1. Reihe v.l.: Bürgermeister Klaus Friedrich, Korbach; Eva Kühne-Hörmann, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst; Dr. Reinhard Kubat, Landrat des Landkreises Waldeck-Frankenberg). Foto: T. Demski
Konzeptionell ist der Park grenzüberschreitend in zehn thematische und räumliche Schwerpunkte gegliedert, Für jeden Schwerpunkt werden Besucher-Angebote entwickelt; erste Projekte wurden bereits verwirklicht: Die Einrichtung einer multimedialen Ausstellung zur Geologie der Teilregion „Kellerwald“ (Geo-Foyer) in Waldeck-Nieder-Werbe am Edersee und die Wanderroute „Eisensteinweg“ – sie verbindet als Radweg bedeutende, bergbau- historische Sehenswürdigkeiten der Region. An markanten Stellen des Geoparks wurden „Geo-Stationen“ errichtet – so zum Beispiel an der „Geo-Erlebnisroute Medebach-Hallenberg“, wo die Besucher in zahlreichen Gesteinsaufschlüssen Informationen über erdgeschichtliche und/ oder naturkundliche Sehenswürdigkeiten erhalten. In zahlreichen Museen wird die Regionalgeschichte wieder lebendig. Broschüren sowie ein Faltblatt bewerben diese Einrichtungen.
Im Oktober 2009 wurde eine vorläufige, zentrale Informationsstelle des Geoparks im Korbacher Wolfgang Bonhage-Museum eröffnet. In diesem Jahr soll die Ausweisung von regionalen Themenwegen sowohl auf nordrhein-westfälischer als auch auf hessischer Seite unter dem Titel „BergbauWelten“ realisiert werden; zudem ist die Ausbildung von Geopark-Führern vorgesehen, die die den Besuchern geführte Wanderungen anbieten werden.
Ein halbes Jahr lang liefen unter der fachlichen Federführung des Geopark-Projektbüroleiters Norbert Panek in Korbach die Vorbereitungsarbeiten zur Bewerbung um das offizielle Prädikat „Nationaler Geopark“. Anfang Juli 2009 wurde der Bewerbungsantrag auf den Weg gebracht und am 15. Oktober 2009 positiv beschieden. Das Prädikat wird von der GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung (Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Bundesforschungsministerium und der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Bodenforschung“ an Regionen mit herausragenden geologischen Sehenswürdigkeiten auf fünf Jahr befristet vergeben. Die Zertifizierung für den Geopark ‚Grenzwelten’ wird unter der Maßgabe ausgesprochen, dass innerhalb von zwei Jahren die Geschäftsstelle des Geoparks personell ausgebaut wird und erkennbare Fortschritte bei der Einrichtung eines zentralen Geopark-Informationszentrums gemacht werden, das im Bereich der Fossilfundstätte „Korbacher Spalte“ eingerichtet werden soll.
Geoparks sind ausgewiesene Regionen, in denen die Bedeutung geologischer und geomor- phologischer Prozesse für die Gestalt der Erdoberfläche, für die Verteilung natürlicher Ressourcen, aber auch für die Landnutzung sowie die Wirtschafts- und Kulturgeschichte bewusst und erlebbar gemacht wird.
Highlights einer Zeitreise in die Vergangenheit
Dem natur-interessierten Feriengast bieten sich im Geopark „GrenzWelten“ viele Möglichkeiten, um in die erdgeschichtliche Vergangenheit einzutauchen:
Mit der permzeitlichen Fossilienfundstätte „Korbacher Spalte“, in der seltene, 250 Millionen Jahre alte Knochenreste von säugetierähnlichen Reptilien entdeckt wurden, verfügt die westfälisch-nordhessische Region über eine herausragende Fossilenfundstätte mit weltweiter Bedeutung. Bei Brilon (Hochsauerlandkreis) wandeln Besucher auf den Spuren eines Dinosauriers namens Iguanodon und bei Wolfhagen haben urzeitliche Echsen ihre Fußabdrücke im Sandstein hinterlassen.
Wer das Abenteuer sucht, kann an der Eder nach Gold schürfen oder in die faszinierende Unterwelt zahlreicher Bergwerke eintauchen: Bei Marsberg, Willingen, Adorf, Dreislar, Korbach, Battenberg, Bergfreiheit im Kellerwald sowie in Borken kann der Besucher teilweise sehr alte, traditionsreiche Bergbaulandschaften erkunden.
Darüber hinaus bietet der Geopark im Grenzbereich zwischen den Höhen des sauerländi- schen Schiefergebirges und der Hessischen Senke sehr unterschiedliche Landschaftstypen und Gesteinsformationen, die eine erdgeschichtliche Zeitspanne von insgesamt rund 400 Millionen Jahren umfassen. Am Ostrand des Schiefergebirges markieren zechsteinzeitliche Kalksteine eine ehemalige Meeresküste. Weiträumige Buntsandsteinlandschaften im Burgwald und in Nordwaldeck repräsentieren das Erdmittelalter. Erloschene Vulkane prägen die Landschaft im „Wolfhager Land“. Die jüngsten Gesteine finden sich schließlich im Südosten des Parks mit den Braunkohle-Vorkommen bei Borken und den eiszeitlichen Kiesablagerungen bei Wabern.
Informationen: www.geopark-grenzwelten.de
Kontakt: Dipl.-Ing. Norbert Panek, Geopark-Projektbüro Landkreis Waldeck-Frankenberg, Südring 2, D-34497 Korbach; Tel. 05631-954313, e-mail: info@geopark-waldeck-frankenberg.de
(Quelle: Pressemitteilung vom 29.01.2010)




