Geowissenschaftliche Fortbildung für Lehrer: Das Thema Evolution

Online seit 5. August 2010 | Von Rüdiger Stritzke

An dieser Stelle ist wiederholt über das Bemühen berichtet worden, geowissenschaftliche Inhalte wieder in den Schulunterricht insbesondere in Nordrhein-Westfalen zu implementieren. Es gelingt hier und da erfolgreich, doch sind wir weit davon entfernt, dass dieses Wissen flächendeckend in Schulen vermittelt werden könnte. Dagegen stehen in erster Linie die Lehrpläne, insbesondere diejenigen für den Erdkundeunterricht.

Nun ist unsere Wissenschaft multidisziplinär, so dass sich die Geowissenschaften auch in anderen naturwissenschaftlichen Fächern unterbringen lassen. Aber auch im Physik- oder Chemieunterricht lassen sich nur hier und da geowissenschaftliche Inhalte vermitteln, sofern der Fachlehrer dafür offen ist.

Eine etwas andere Konstellation eröffnet sich in der Biologie. Hier ist im Lehrplan der Oberstufe das Thema “Evolution” im 1. Halbjahr der Klasse 13 obligatorisch. Liest man die Lehrplandetails, so fällt einem Paläontologen sofort auf, dass an diesem Lehrplan niemand, der der Paläontologie kundig wäre, beteiligt war. Die Evolution wird vornehmlich vom rezentbiologischen Standpunkt her und genetiklastig angegangen. Der zweifellos zwingend notwendige paläontologische Teil ist außerordentlich schwammig gehalten und bereichsweise fehlerhaft. Da ein Schulfach per Dekret anthropozentrisch zu sein hat, spielt überdies das Thema “Humanevolution” eine gewichtige Rolle, ohne dass die Verfasser des Lehrplanes oder auch des Lehrbuchs fundierte Kenntnisse hierüber hätten.

Der Themenkomplex “Evolution” ist also schuladministrativ außerordentlich vermurkst. Das erkennen natürlich in erster Linie die Lehrer, die vor dem Problem stehen, diesen abiturrelevanten Stoff Schülern vermitteln zu müssen. Etliche wandten sich und wenden sich daher mit der Bitte um Hilfe an Geowissenschaftler, un so unterstützen wir an manchen Schulen seit Jahren auch den Biologieunterricht.

Ein Resultat dieser Kooperation war es, dass etliche Biologielehrer eine Fortbildung für Lehrer zum Thema “Evolution” anregten. Anfang Februar 2010 wurden deshalb in einem ersten Versuch in zwei Veranstaltungen dieser Art etwa 30 Biologielehrer fortgebildet. Die Fortbildungen fanden im nördlichen Ruhrgebiet und im Raum Krefeld statt. Ausgeführt wurden sie in gemeinsamer Anstrengung des Geologischen Dienstes NRW, des Instituts für Geologie, Mineralogie und Geophysik der Ruhr-Universität Bochum sowie des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG). Die Fortbildungsveranstaltung währte 6 Stunden und hatte folgende Themen zum Inhalt:

  • Fossilisation und Lücken der Überlieferung
  • Absolute und relative Datierung
  • Entwicklung des Lebens vom Präkambrium bis heute
  • Geosphären-Biosphären-Wechselwirkung
  • Gradualismus und Punktualismus
  • Massensterben in der Erdgeschichte
  • Evolution und Kreation
  • Humanevolution

Die Resonanz war außerordentlich positiv. Die Teilnehmer schienen sehr zufrieden, was auch daraus zu entnehmen war, dass sie die Veranstaltung ihren Kolleginnen und Kollegen weiter empfahlen. Diese Möglichkeit einer flächendeckenden (zumindest in NRW) Infiltrierung geowissenschaftlicher Themen in den Schulunterricht sollten wir uns nicht entgehen lassen. Um den Bekannheitsgrad zu steigern, sollte die Fortbildung in maßgeblicher Verantwortung des BDG angeboten und in das Fortbildungsregister des Schulministeriums eingetragen werden. Darüber hinaus sind in NRW Multiplikatoren für Lehrerfortbildungen die sog. “Kompetenzteams”, räumlich den kommunalen Schulbehörden, administrativ den Regierungspräsidenten zugeordnet. Hier sollte ebenfalls eine Eintragung des Fortbildungsangebots erfolgen, da Lehrer sich über Fortbildungsmöglichkeiten in erster Linie hier kundig machen.

Sollte die Resonanz positiv sein, wäre es schön, wenn sich aus den Reihen des BDG Mitstreiter fänden, um die Fortbildungsveranstaltungen durchzuführen. Das Engagement wäre terminlich gut überschaubar, da Fortbildungen von Lehrern infolge deren notorischen Zeitmangels nur in den klausur- und konferenzfreien Zeiten stattfinden könnten, und das wäre jeweils zum Ende eines Schulhalbjahres.

(Hinweis: dieser Artikel erschien im Original in den Geowissenschaftlichen Mitteilungen “GMit”.)

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