Zurzeit gibt es in der Geoblogosphäre, u.a. ausgelöst durch das Juli-Thema des Accretionary Wedge, eine vielfältige und spannende Debatte um Rolle und Zukunft der Geoblogosphäre und ihren Einfluss auf gesellschaftliche und politische Fragen.
Von Bedeutung in dieser Debatte ist vor allem die Frage, wie die Geoblogger besser wahrgenommen werden können. Bislang leben sie mit dem Paradox, sich vor allem gegenseitig wahrzunehmen, obwohl eines der wichtigsten Ziele vieler Geoblogs die Öffentlichkeitsarbeit, also das Erreichen von Nicht-Geowissenschaftlern ist. Einige aktuelle US-Themen haben an dieser Krux schon Änderungen erkennen lassen. Derzeit überlegt die englischsprachige Geoblog-Szene, einen Gruppenblog zu eröffnen, der sich genau diesen gesellschaftsrelevanten Fragen mit Bezug zu den Geowissenschaften stellt. Das Ziel: bessere Wahrnehmung durch Medien und Politik.
Eine andere Frage ist, wie mehr professionelle Wissenschaftler für die Geoblogosphäre interessiert werden können. Eine Geobloggerin hat das Dilemma auf den Punkt gebracht:
“The value of the geoblogosphere is greatly unrealized by those who are not a part of it.”
Der Wert der Geoblogosphäre wird von denen unterschätzt, die nicht an ihr teilhaben. Insofern besteht die dringende Aufgabe für alle Geoblogger, ihre Tätigkeit gegenüber ihren Kollegen und Kommilitonen zu erklären, sie neugierig zu machen und sie von den vielen Vorteilen zu überzeugen (mein nächster Versuch wird dazu auf der GeoDarmstadt 2010 stattfinden…).
Dass sich in Deutschland bislang keine zusammenhängende deutschsprachige Geobloggerszene ausbilden mag, liegt sicher auch daran, dass das universitäre Bildungssystem etwas anders als in den geoblog-dominierenden USA aufgebaut ist. Dort sind viele der treibenden Geoblogger Geologielehrer an Colleges, die keine Forschungs-, sondern die reine Lehrtätigkeit als Aufgabengebiet haben. In Deutschland wiederum wird die Lehre entweder von Professoren oder ihren Doktoranden übernommen, die im günstigsten Fall den Schwerpunkt gleichmäßig auf Forschung und Lehre, häufig aber auch nur auf die Forschung legen, zum Nachteil der Weiterentwickulung und Verbesserung der Ausbildung. Damit fehlt sicher ein Teil der Kapazität, die US-Geoblogger in die Geoöffentlichkeits- und Bildungsarbeit via Geoblogging investieren können.
Dass der Fokus auch in Deutschland stärker auf die Möglichkeiten der Geobildung gelegt werden muss, nicht nur an Universitäten, sondern gerade auch außerhalb, zeigen aktuelle Debatten in den entsprechenden Verbandsorganen. Die vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen Medien der Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stellen und sie dadurch nicht nur finanziell erheblich vereinfachen, sind in Deutschland nur zum Teil erkannt worden. Auch in den USA wird unter den Geobloggern derzeit intensiv diskutiert, wie die allgemeine Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit durch die Nutzung von Medien abseits der reinen Blogartikel (vodcasts, podcasts etc.) noch verbessert werden kann (sehr empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang eine Diskussion von 7 Geobloggern per Skype, die als podcast veröffentlicht wurde und demnächst fortgeführt werden soll).
Wenn es den Geobloggern gelingt, sich stärker gemeinsam Gehör zu verschaffen und Stück für Stück auch größere Organisationen von den Vorteilen des Geobloggens zu überzeugen, wäre ein großer Schritt getan. Vorreiter in dieser Hinsicht ist die American Geophysical Union (AGU), die für ihre Öffentlichkeitsarbeit gezielt auf neue Medien setzt.






Das mit den „lehre-orientierten” College-Dozenten in USA ist mir auch schon aufgefallen. Hierzulande ist es glaub ich eher ungewöhnlich, an der Uni jemanden explizit nur für die Lehre einzustellen. Würde aber auch mal nicht schaden. ;-)
Den Podcast (es gab glaub ich schon lang keinen podClast mehr) werd ich mir heute Abend im Bett mal gemütlich anhören…