Ein Abschlussbericht. Von Judith Jördens.
Judith Jördens ist studierte Geologin und leitet seit dem Jahr 2005 die auf Geoöffentlichkeitsarbeit ausgerichtete Geo-Agentur an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Geo-Wissenschaften sind überall – Sie begegnen uns direkt vor unserer Haustür und sind Bestandteil unseres Alltags. An zehn Stationen bringt der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ geographische und geowissenschaftliche Sachverhalte näher und zeigt was sich alles unter dem Begriff „Geo“ verbirgt. Er erklärt Zusammenhänge zwischen tieferen Untergrund, Landschaft und Gewässer, der Nutzung des Gesteins und des Bodens bis hin zur Stadtplanung und gegenwärtigen Bebauung. Am Rande der Großstadt Frankfurt am Main wird besonders sichtbar, welche Rolle wir Menschen im System Erde übernommen haben, ein System, in das wir mächtig eingreifen, dem wir aber auch ohnmächtig zuschauen müssen.
Die Idee des Geopfades
Im November 2006 fasste der Ortsbeirat 8 Heddernheim-Niederursel-Nordweststadt der Stadt Frankfurt am Main auf Antrag von Diplom-Geograph Robert Pastyrik den Beschluss zur Einrichtung eines geowissenschaftlichen Lehrpfades im Ortsbezirk. Anfang des Jahres 2007 nahm die Leiterin der Geo-Agentur des Fachbereiches Geowissenschaften/Geographie an der Goethe Universität Frankfurt [Anm. d. Red.: die Autorin] Kontakt zum Ortsbeirat auf. Daraus entwickelte sich eine enge, bis heute andauernde, Kooperation. Die Entwicklung, Koordination und Umsetzung des Geopfades wurde der Geo-Agentur übertragen.

Logo des Geopfades Stadt-Land-Fluss in Frankfurt am Main
Hintergrund für die Einrichtung des Geopfades ist die Tatsache, dass geowissenschaftliche und geographische Themen von der Öffentlichkeit häufig nicht wahrgenommen oder verstanden werden. Das Schulfach Geographie ist an einigen hessischen Schulen sogar gänzlich vom Lehrplan verschwunden. Die Erfahrungen aus anderen Öffentlichkeitsarbeitskampagnen zeigen aber, dass das Interesse der Bevölkerung und besonders von Schülern und Schülerinnen an geowissenschaftlichen Themen sehr hoch ist. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geowissenschaftlicher Informationen für eine breite Öffentlichkeit soll mit dem frei zugänglichen Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ behoben werden.
Das Jahr 2008 wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als „International Year of Planet Earth“ oder kurz IYPE ausgerufen. Ziel war es, das angesammelte Wissen der 400.000 Geowissenschaftler auf der ganzen Welt umfassender und vor allem effizienter zu nutzen. Im Internationalen Jahr wurden zwei Aktionsschwerpunkte verfolgt: ein wissenschaftliches und ein auf die breite Öffentlichkeit zielendes Programm. Das Öffentlichkeitsprogramm hatte zum Ziel, eine größere Beachtung der engen Beziehung zwischen Erdwissenschaften und gesellschaftlicher Entwicklung zu erreichen. Der Geo-Pfad “Stadt-Land-Fluss” ist Teil des IYPE-Öffentlichkeitsprogramms.
Kooperationspartner
Im Juni 2007 fand das erste Arbeitskreistreffen „Geopfad“ unter Beteiligung mehrerer MitarbeiterInnen des Fachbereiches Geowissenschaften/Geographie, Vertretern des Umweltamtes und des Ortbeirates sowie LehrerInnen aus Schulen des Ortsbezirkes statt. In diesem Kreis, erweitert durch die Beteiligung der ernst-may-gesellschaft, des Archäologischen Forums NIDA und der HessenAgentur Stadtentwicklungsgesellschaft mbH – Infobüro Riedberg – sowie einigen Studierenden des Fachbereiches, tagt diese Runde in regelmäßigen Abständen bis zum heutigen Datum. Aus diesen Treffen und dem geplanten Verlauf der Geopfad-Route ergaben sich die Themen für die verschiedenen Stationen.
Themen des Geopfades
Die Station 1 „Die Nidda“ beschäftigt sich mit dem zweitgrößten Fluss Frankfurts, welcher be-reits von den Römern als Transport- und Handelsweg genutzt wurde. An der Kindertafel können große und kleine Forscher herausfinden, wie sich die Begradigung von Flüssen auf die Wassergeschwindigkeit auswirkt.

Interessierte Frankfurter an Station 1 "Die Nidda".
Weiter geht es dann zur Station „Ernst May und seine Siedlung“ mit humangeographischen Inhalten. Als Siedlungsdezernent der Stadt Frankfurt war Ernst May verantwortlich für die Schaffung wegweisender Siedlungen mit erschwinglichem Wohnraum. Die Station liegt in unmittelbarer Nähe des restaurierten Ernst-May-Haus.
Einen Blick in den Untergrund bietet die Station 3 „NIDA-Siedlung“ an der Grenze Römerstadt/Nordweststadt. Rund um die Station lag vor etwa 1700 Jahren die römische Stadt NIDA. Durch die Überbauung der römischen Stadt im 20. Jahrhundert konnten viele archäologische Schätze nicht geborgen werden und liegen noch immer im Untergrund. Um den Römern dennoch auf die Spur zu kommen, werden moderne geophysikalische Messverfahren, wie die Geomagnetik, Seismik, Geoelektrik oder das Georadar, eingesetzt. Wie das funktioniert wird an der Station 3 erklärt.
Der „Walter-Schwagenscheidt-Platz“ ist der richtige Ort für die vierte Station „Die Nordweststadt“, die sich mit der Entwicklung des Stadtteils Nordweststadt und des Nordwestzentrums auseinander setzt. Die Kindertafel behandelt das Fußwegenetz der Nordweststadt und den archetektonischen Gedanken hinter dem „fußgängerfreundlichen Stadtteil.
„Früher Lehmgrube, heute Erholungsfläche“- so lässt sich das Gelände des Martin-Luther-King-Parks in der Nähe des Nordwestzentrums treffend beschreiben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich dort, wo heute der Martin-Luther-King-Park zum Spazieren, Spielen und Entspannen einlädt, eine Lehmgrube, die eine benachbarte Ziegelei mit Rohstoff versorgte. Die Geschichte des Martin-Luther-King-Parks und der ehemaligen Frankfurter Ziegeleien beleuchten die Tafeln der Station 5, die im Rahmen einer Bachelorarbeit im Fach Geographie entstanden sind. Text und Gestaltung der Kinderseite zum Thema „Entenfütterung“ wurde von SchülerInnen der benachbarten Ernst-Reuter-Schule 2 übernommen.
Die Geschichte des „Dorfes in der Stadt“ und der Gustav-Adolf-Kirche ist Thema der sechsten Station „Ein Stadtteil mit Geschichte“ in Niederursel. An der Kinderseite kann ein Blick in das dunkle Gefängnis der Gustav-Adolf-Kirche geworfen werden.
Was ist Boden? Und warum ist er so wichtig? Wie sah der Riedberg vor 20 Millionen Jahren aus? Und was haben die Ice Age-Helden Manni, Diego und Sid mit dem Sediment Löss zu tun? Antwort gibt es an der siebten Station des Geopfades. Im nahegelegenen Aufschluss „Loch Löss“ kann man eigenhändig erfahren, wie sich Boden anfühlt und wie man ihn klassifizieren kann. Und auch das ein oder andere Lösskindl kann dort gefunden werden.
Die wohl ehrgeizigste und aufwendigste Station ist der geplante Aussichtsturm in Mitten des Campus Riedbergs, welcher einen Blick auf den Taunus, Spessart, Oberrheingraben, Odenwald, die Frankfurter Skyline, den Riedberg und den Universitäts-Campus bieten soll. Inhaltlich wird sich die Station mit den Charaktergesteinen der näheren Umgebung von Frankfurt – Basalt, Taunusquarzit, Gneis und Kalkstein – beschäftigen.
„Alles fließt…“ an der Station 9 des Geopfades, die sich ganz dem nassen Element Wasser widmet. Neben Informationen zur Stadtentwässerung und dem Kätcheslachweiher, wird gezeigt, welche Auswirkung eine zunehmende Bebauung (u.A. durch den neuen Stadtteil Riedberg) auf den Wasserhaushalt haben kann. Auf der Kinderseite erzählt Frank, der Frankfurter Wassertropfen von seiner Reise mit dem Wasserkreislauf.
Den (vorläufigen) Abschluss des Geopfades macht die Station 10 „Fränkische Ammoniten in Frankfurt“ mit der über 5 Meter hohen Natursteinmauer im Bonifatiuspark. Hier können Geopfad-Besucher nach Ammoniten suchen, eine Rechenaufgabe lösen und den eigenen Tastsinn prüfen.
Zeitlicher Ablauf
Nach über zweijähriger intensiver Vorbereitung wurde der Geopfad am 18. Dezember 2008 feierlich an der ersten Station „Die Nidda“ eröffnet. Gerade noch rechtzeitig, um in das von der Generalversammlung der Vereinten Nationen für 2008 ausgerufenen, „International Year of Planet Earth“ zufallen.
Prof. Dr. Heinrich Thiemeyer, Prodekan des Fachbereiches Geowissenschaften/ Geographie, Robert Pastyrik, Stv. Ortsvorsteher des Ortsbeirates 8, Klaus Wichert, Amtsleiter des Umweltamtes Stadt Frankfurt am Main und Staatssekretär a.D. Bernd Abeln von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region begrüßten die gut 50 Gäste und betonten die Einzigartigkeit des Geopfades im Frankfurter Stadtgebiet.
Die Stationen 1 „Die Nidda“, 2 „Ernst May und seine Siedlung“, 4 „Die Nordweststadt“, 6 „Ein Stadtteil mit Geschichte“ und 10 „Fränkische Ammoniten in Frankfurt“ waren ab diesem Zeitpunkt mit dreiseitigen Informationsstelen ausgestattet. Eine Seite der Infotafeln richtet sich speziell an Kinder und ist mit einem interaktiven Mit-mach-Objekt ausgestattet.
Ergänzt wird der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ durch ein Faltblatt mit Übersichtskarte, welches vom Umweltamt der Stadt Frankfurt herausgegeben wird, und dem Internetauftritt www.geopfad-frankfurt.de.
Im Sommer 2009 folgte eine weitere, einzelne Tafel zum Thema „Stadtenwässerung“ an der Station 9 „Alles fließt“.
Im Januar 2011 werden vier weitere Informationsstelen an den Stationen 3 „Römerstadt NIDA“ ,5 „Von der Lehmgrube zur Erholungsfläche“, 7 „Boden-die dünne Haut der Erde“ und 9 „Alles fließt..“ den Geopfad vervollständigen.
Finanzielle Unterstützung
Finanziell unterstützt wird der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ von der „Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region“ und den „Freunden und Förderern der Universität Frankfurt“. Die Druckkosten für das zugehörige Faltblatt mit Übersichtskarte wurden vom Umweltamt der Stadt Frankfurt übernommen. Ein weiterer Teil der Kosten wurde aus dem Ortsbeiratsbudget bezahlt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 21.600 Euro.
Ausblick
Die geplante Aussichtsplattform an der Station 8 „Ein Blick über den Campus und Hessen“ konnte bisher noch nicht realisiert werden. Diese soll mit dem geplanten Neubau der chemischen Institute auf dem Campus Riedberg – frühestens im Jahr 2015 – verwirklicht werden. Alternativ werden derzeit Möglichkeiten geprüft, einen freistehenden Turm, unabhängig zu den Bauvorhaben der Universität zu errichten.
Als permanentes Angebot für Schulklassen, Wandergruppen, etc. sollen monatliche Führungen zu den Stationen des Geopfades angeboten werden.
Denkbar wären zudem weitere Stationen zu verschiedenen geowissenschaftlichen und geographischen Inhalten.
Weitere Informationen
www.geopfad-frankfurt.de
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fachbereich Geowissenschaften/Geographie
Judith Jördens
Telefon: 069/798-40206
Geo-Agentur ät uni-frankfurt punkt de



