“Kostbarkeiten aus dem Freiberger Bergbau” – Sonderausstellung in Freiberg

Online seit 22. April 2012 | Von Lutz Geißler

Neben dem traditionell Ende Juni stattfindenden „Bergstadtfest“ begeht Freiberg in diesem Jahr Anfang September mit seinen Gästen auch den „Tag der Sachsen“. Das wichtigste Jubiläum erstreckt sich aber über das gesamte Jahr. Es ist der 850. Geburtstag der Bergstadt Freiberg. Die Geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg reihen sich in die Schar der Gratulanten ein, u. a. mit einer neuen Sonderausstellung im Werner-Bau (Institut für Mineralogie, Brennhausgasse 14).

"Kostbarkeiten aus dem Freiberger Bergbau" - Sonderausstellung in Freiberg

"Kostbarkeiten aus dem Freiberger Bergbau" - Sonderausstellung in Freiberg

Sie steht unter der Überschrift „Kostbarkeiten aus dem Freiberger Bergbau“ und widmet sich vorwiegend den natürlichen geologischen Gegebenheiten im Raum Freiberg, welche letztendlich auch zur Stadtgründung führten.

Die Ausstellung begann am 18. April 2012 und wird noch bis zum 25. April 2013 für Besucher geöffnet sein.

In den acht Pultvitrinen des Sammlungsfoyers werden typische und seltene Gangstücke sowie mineralogische Besonderheiten der Freiberger Gänge gezeigt. Diese Erzgänge entstanden vor vielen Millionen Jahren, aber zu verschiedenen geologischen Zeiten. Sie weisen unterschiedliche Mineralzusammensetzungen auf. Seit dem 18. Jahrhundert werden die Erzgänge auf Grund ihres charakteristischen Bestandes in mindestens sieben Formationen/Abfolgen/Assoziationen eingeteilt. Unter den Exponaten befinden sich neben vielen mineralogisch interessanten Belegen auch auserlesene Schaustufen von Silber, Silbererzen, allen wichtigen Erzmineralen und natürlich den Gangarten, Quarz, Calcit, Fluorit und Baryt.

Die etwa 130 Ausstellungsstücke stammen ausschließlich aus der so genannten Freiberger Reviersammlung. Das ist eine Kollektion von „grubenspezifischen Vorkommnissen“ im Freiberger Bergrevier. Sie wurde um 1820 von Bergmeister Carl Friedrich Scheuchler als Reviergangsuitensammlung beim Bergamt Freiberg ursächlich „zum fortgehenden und leicht zugänglichen Revierstudium des Bergmeisters und der übrigen Bergamtsmitglieder, zur zukünftigen Belehrung der Grubenvorsteher und zur geschichtlichen Aufbewahrung vorzüglicher oder doch interessanter Anbrüche“ angelegt.

Die nachfolgenden Freiberger Bergmeister von Weissenbach und Fischer trugen wesentlich zur Erweiterung und Ordnung der bestehenden Sammlung bei. Unter Leitung von Bergmeister Fischer erstellte der Markscheider Klug einen Katalog zu den Stufen, die bis 1849 in die Sammlung aufgenommen worden waren. Alle danach eingebrachten Stufen wurden im so genannten Nachtragskatalog erfasst.

Beachtliche Neuzugänge aus dem Nachlass des Oberberghauptmanns von Herder – es handelte sich um kostbare Silbererzstufen aus dem Churprinz Friedrich August Erbstolln – werteten die Sammlung 1842 stark auf. Des Weiteren fanden gute Belege aus einer 1164 Stufen umfassenden bis 1849 an der Bergakademie bestehenden „Suitensammlung“ Eingang in die Reviersammlung des Bergamtes. Diese Bereicherung wurde maßgeblich durch Professor Ferdinand Reich und Bergmeister Wilhelm Fischer forciert, denn ursprünglich sollte die bergakademische Sammlung an die Gruben zur Erzgewinnung zurückgegeben werden.

Im Jahre 1868 ging die Reviersammlung in das Eigentum des sächsischen Staates über.
Einem Bericht des Oberbergrates Heucke zufolge befand sie sich 1899 im Oberbergamt und umfasste etwa 3000 Stufen von 500 Gängen und 150 Gruben.
Zuvor waren in den 1880er Jahren zahlreiche zerfallene oder minderwertige Stufen ausgesondert worden. Durch entsprechende Einträge in den Katalogen ist gut rekonstruierbar, um welche Stücke es sich dabei handelte.

Wann die als Freiberger Reviersammlung bezeichnete Bergamtssammlung an die Bergakademie übergeben wurde, ist leider nicht eindeutig nachvollziehbar. Der Professor für Lötrohrprobierkunde und Mineralogie, Friedrich Kolbeck, hat bereits während seiner Amtszeit (1886-1943) nachweislich Stufen daraus in die Mineralogische Sammlung übernommen.
Der erste Kustos der Sammlungen im Werner-Bau, Herr Dr. Bernstein, ordnete die Reviersammlung in Abstimmung mit Prof. Oelsner (Lehrstuhl für Lagerstättenlehre) der Lagerstätten-Sammlung zu und veranlasste Mitte der 1950er Jahre eine Bestandsaufnahme mit Inventarisation (Vergabe von Inventarnummern) und Dokumentation (Karteikarten). Die Reviersammlung wurde dann während der letzten Bergbaubetriebsperiode bis 1968 kontinuierlich durch Neuzugänge ergänzt.
Eine zwischen 1983 und 1985 erfolgte Inventur ergab, dass die Sammlung beim Abschluss der Revision ca. 5.200 Belege enthielt, wovon etwa 1.000 Stücke aus studentischen Qualifizierungsarbeiten stammten. Um die 500 Proben wurden im Rahmen von Exkursionen und Grubenbefahrungen gesammelt.

Die Freiberger Reviersammlung zählt noch heute zu den wichtigsten und wertvollsten historischen Beständen der TU Bergakademie Freiberg. Durch die exakte Fundpunkt- und Probenbeschreibung der Stufen besitzt sie neben dem Schauwert auch einen enorm hohen wissenschaftlichen Wert.

In der neuen Sonderschau sind attraktive Stufen, teilweise die dazugehörigen Stufenzettel sowie zahlreiche Fotos und andere historische Dokumente von den wichtigsten Gruben zu sehen. Die Exponate lassen die Herzen von Mineralsammlern und berghistorisch Interessierten gleichermaßen höher schlagen.
Die zur Ausstellung gehörende Treppenhausvitrine widmet sich dem Markscheidewesen im 19. Jahrhundert. Die hier gezeigten Dokumente und Geräte stellte uns dankenswerterweise Herr Dipl.-Geol. (FH) Jens Kugler als Leihgabe zur Verfügung.

Die Geowissenschaftlichen Sammlungen sind von Montag bis Donnerstag, 9 – 12 Uhr und 13 – 16 Uhr geöffnet. An Feiertagen bleiben die Sammlungen geschlossen.

Quelle: Geowissenschaftliche Sammlungen, TU Bergakademie Freiberg

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