Wussten Sie ...?
Interessante und erstaunliche Fakten aus den Geo- und Montanwissenschaften
» ... dass Sie in Ihrem Leben etwa 100 Tonnen Kalkstein verbrauchen?
» ... dass Geologie hilft, Kriminalfälle aufzuklären?
» ... dass Ihr Kaugummi mit einer Schicht aus dem Mineral Talk umgeben ist?
» ... dass es ohne Sand keine Solarzellen geben würde?
» ... dass die Mineralgruppe "Zeolithe" Ihren Kühlschrank isoliert?
» ... dass das Mineral Sepiolith Raucher schützt?
Wussten Sie, dass Geologie hilft, Kriminalfälle aufzuklären?

Am 6. Juni 2003 wurde auf einem Bahnsteig des Hauptbahnhofes Dresden eine Kofferbombe gefunden und entschärft (linkes Bild). Da die Motivlage und damit der einzugrenzende Täterkreis völlig unklar waren, erlangte die Herkunftsbestimmung aller zum Bau der Bombe verwendeten Bestandteile entscheidende ermittlungstaktische Bedeutung. Durch den Täter wurden unter anderem etwa 6 kg Gesteinsmaterial zur Erhöhung der Splitterwirkung im Koffer platziert. Dresdner Geowissenschaftler konnten das Gesteinsmaterial in sechs verschiedene Gesteinsarten unterteilen. Es galt, die Herkunftssteinbrüche dieser Gesteine zu bestimmen, um so die Vertriebswege zu ermitteln, die zum Täter führen könnten. Die Hauptmenge des für den Bombenbau verwendeten Gesteinsmaterials (rechtes Bild) bildete Splitt aus dem Gestein Serpentinit. Ein Vergleich mit Serpentiniten aus den Petrographischen Sammlung der Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden konnte zunächst eine sächsische Herkunft der Serpentinite ausschließen. Anhand des umfangreichen Bestandes an nicht sächsischen Gesteinen am Museum konnte eine auffallende Ähnlichkeit zu Serpentiniten aus Bayern festgestellt werden. Durch eine Exkursion durch die Mitarbeiter des Landeskriminalamtes konnte von den vier noch produzierenden bayerischen Serpentinitbrüchen der Steinbruch bei Wurlitz als Herkunftsort für das in der Bombe eingesetzte Serpentinitmaterial sicher bestimmt werden. Im gleichen Bruch konnten zudem zwei weitere im Koffer vorkommende Gesteinarten erkannt und zugeordnet werden.
Nach Zusammenfassung aller geowissenschaftlicher Ergebnisse konnte den Ermittlern der Hinweis gegeben werden, dass der mutmaßliche Ort des Bombenbaus im oberen Vogtland im Raum Schöneck zu suchen sei. Am 21. September 2003 erfolgte die Festnahme des Täters. Der Bau der Bombe erfolgte in Zwota, 6 km Luftlinie von Schöneck entfernt. In das Vogtland, speziell an Baustoffhändler in Auerbach und Schöneck wurde Wurlitzer Serpentinit geliefert. Durch eine örtliche Baufirma wurde das Grundstück des Täters mit Splitt belegt. Diesen Splitt benutzte er zum Bau der Bombe.


Die Geowissenschaften hatten einen großen Anteil an der Überführung des Täters. Und das ist kein Einzelfall. Geowissenschaftliche Kenntnisse sind unerlässlich, wenn es um die Aufklärung von Kriminalfällen geht. Sei es der Vergleich von Tonmineralen des Bodens vom Tatort und von der Schuhsohle des Täters oder aber die Herkunftsbestimmung von Gesteinen in einer Kofferbombe. Und nicht zuletzt sind die Geowissenschaften wie Kriminologie, nur dass hier meistens erdgeschichtliche Fälle aufgeklärt werden.
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