Geologie
... mehr als nur ein Studium

Wer bist du, woher kommst du, wo und was studierst du?
Mein Name ist Lutz Geißler. Ich stamme aus Freiberg in Sachsen. Das ist eine 40.000-Einwohner-Stadt mit der ältesten montanwissenschaftlichen Universität der Welt - der TU Bergakademie Freiberg. Dort studiere ich seit 2003 Geologie.
Beschreibe uns bitte kurz einen typischen Tagesablauf als "Geostudent".
Das ist schwer zu beschreiben und hängt ganz davon ab, ob man den ganzen Tag Vorlesungen hört oder auf Exkursion ist. Im ersten Fall stehe ich auf, gehe (im Extremfall) von 7.30 Uhr bis 20 Uhr zur Uni, bereite danach Praktika oder bestimmte Seminare vor und gehe schlafen. Wenn allerdings Exkursionen anstehen, sieht der Tag ganz anders aus. Dann geht es in aller Frühe "ins Feld", also in Steinbrüche, zu Aufschlüssen oder in Bergwerke, um die Geologie der Erde kennenzulernen und zu verstehen. Das ist der interessanteste Teil des Studiums. Tja, und zu später Stunde sitzt man dann mit seinen Kommilitonen und Betreuern der Uni zusammen und tauscht sich aus.
Wozu ist dein Studium nötig und was für eine Rolle spielt es für uns im täglichen Leben?
Ganz generell ist die Geologie nötig, um die Erde als Gesamtheit zu verstehen oder es zumindest zu versuchen. Dabei geht es zu über 95 Prozent um die unbelebten Teile, die so genannte "feste Erde", also um Gesteine und deren Entstehung. Für uns hat das im Alltag eine enorme Relevanz. Ohne Gesteine, also ohne unseren festen Untergrund, könnten wir nicht existieren. Zum einen geben Sie Häusern und der gesamten Infrastruktur Halt und sind zudem Rohstoffe für alle Alltagsgegenstände. Zum anderen sind sie die Mineralstoffquelle für jede Pflanze und sind damit Grundlage unserer Nahrungsmittel. Abgesehen davon sind Kenntnisse der Geologie der Erde entscheidend, um z.B. Naturkatastrophen vorhersagen oder zumindest in ihrer Wirkung mindern zu können. Ich kann hier nicht alle Dinge aufzählen. Um es kurz zu machen: die Geologie befasst sich mit der Grundlage unseres Lebens: der festen Erde - genau deshalb ist es mein Traumstudium.
Siehst du Vor- und/oder Nachteile deines Studiums?
Die Vorteile überwiegen eindeutig die Nachteile. Das Studium bildet mich nicht nur umfassend in rein fachlichen Kenntnissen über unsere Erde aus, sondern ganz nebenbei entwickelt man ein Gespür für den sinnvollen und nachhaltigen Umgang mit seiner Umwelt. Das Studium hat schon eine Art philosophischen Aspekt, auch wenn das nicht in den Studienplänen steht. Nicht umsonst waren große Naturwissenschaftler auch immer Poeten und Philosophen. Ein Vorteil ist natürlich auch, dass man etwas von der Welt sieht. Ich war zum Beispiel schon im Ural (Russland), in Kalifornien (USA), auf Sizilien (Italien) und etlichen anderen Ländern. Die Nachteile sind schnell erzählt: das Studium ist relativ teuer (Exkursionen, Ausrüstung) und körperlich anstrengend (nicht unbedingt ein Nachteil). Außerdem findet man derzeit als Geologe in Deutschland nur wenige freie Stellen. Dafür sieht es im Ausland umso besser aus.
Warum interessierst du dich für die Geo- und Montanwissenschaften bzw. wie bist du darauf gestoßen?
Ich bin sozusagen hineingeboren worden. Ich bin elterlicherseits vorbelastet. Grundsätzlich ist dieser Wissenschaftszweig so interessant für mich, weil er sich mit Dingen befasst, die man täglich sieht - Gesteine. Man beginnt zu verstehen, warum bestimmte Phänomene der Erde so und nicht anders funktionieren. Und man lernt, wie klein und zeitlich unbedeutend wir Menschen im Vergleich zur Größe der Erde und zu den Milliarden Jahren Erdgeschichte sind.
Wenn du die Möglichkeit hättest, würdest du eine andere Berufsrichtung wählen?
Auf keinen Fall.
Vielen Dank!
Die Initiative "Wir sind überall" wird vom Netzwerk für geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit betreut und kooperiert mit
© 2006-2010 Netzwerk für geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit : : Impressum & Datenschutz





