Risk Engineer
... ein riskanter Job?

Hallo Axel, stelle dich bitte kurz vor
Mein Name ist Dr. Axel Hess. Ich bin gelernter Diplom Geologe-Paläontologe, habe das an der Universität Würzburg und der TU Clausthal studiert und danach, promoviert am Institut für Sedimentforschung (heute Umweltgeochemie) der Universität Heidelberg. Nach verschiedenen Stationen in Beratungsgesellschaften der Bauwirtschaft und Altlasten-/Abfallwirtschaft arbeite ich heute als "Risk Engineer" (Risikoberater) bei einer großen Versicherung in Stuttgart.
Du arbeitest also als "Risk Engineer". Was können wir uns darunter vorstellen?
Risk Engineers oder auch Risikoberater findet man häufig sowohl in Ingenieurbüros als auch in Industriebetrieben. Größere Versicherungsgesellschaften beschäftigen ebenfalls Risk Engineers. Mein Arbeitgeber ist ein großer internationaler Versicherungskonzern, der zur Risikoermittlung aber auch zur fachtechnischen Abwicklung von Umweltschäden gerne Spezialisten einsetzt, die über technische und naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügen. Als Geologe mit Studien- und Promotionsschwerpunkt "Umweltgeologie, Geochemie, Sedimentologie und Explorationsgeologie" werde ich für die Versicherungssparte "Industriehaftpflicht" eingesetzt. In dieser Sparte werden Industrieunternehmen betreut, die sich u.a. gegen Umweltschäden versichern wollen.
Und was machst du nun genau?
Mein Hauptarbeitsgebiet liegt in der Durchführung von Sicherheitsaudits in Industriebetrieben. Meine Aufgabe ist es, für die Versicherung eine Risikoprüfung und für das zu versichernde Unternehmen eine Beratung zur Reduzierung der Anlagenrisiken durchzuführen. Als wesentlichste Aspekte können die sichere Verwendung und Lagerung von Gefahrstoffen benannt werden, aber auch die Ermittlung von Eintrittswahrscheinlichkeiten von Umweltschäden und die Bewertung des potentiellen Schadenausmaßes. Beispiel: Ein Recyclingunternehmen, das die Aufbereitung von Altöl in einer Raffinerie betreibt, wünscht Versicherungsschutz für Umweltschäden, die aus Emissionen über den Boden-, Wasser- oder Luftpfad entstehen können. Als Risk Engineer sind die Fragen zur Sicherheit der Anlagentechnik, der Qualität des Sicherheitsmanagements und die möglichen Auswirkungen eines Störfalls, aber auch aus des normalen, bestimmungsgemäßen Betriebs zu beantworten. Schwächen müssen ermittelt und gemeinsam mit dem Kunden verbessert werden, Stärken können sich hingegen positiv auf die Prämienfindung auswirken. Man kann auch sagen, dass Risk Engineers einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz direkt an der Basis leisten.
Warum muss das nun gerade ein Geologe machen?
Geologen sind für diese Aufgaben besonders geeignet, da sie über eine sehr breite naturwissenschaftliche Ausbildung, räumliches Vorstellungsvermögen und meist gutes technisches Verständnis verfügen. Zur Bewertung des Verhaltens von Gefahrstoffen in Boden, Wasser und Grundwasser sind Kenntnisse zur Geologie/Hydrogeologie und Chemie unabdingbar. Ist ein Umweltschaden eingetreten, werden Risk Engineers zur fachtechnischen Betreuung und Überwachung der Sanierung eingesetzt. Das Aufgabengebiet ist mit dem eines Altlastengutachters vergleichbar.
Das scheint alles sehr komplex zu sein?
Ja, für eine andere Versicherungssparte führe ich auch noch Audits unter den Aspekten der Auswirkungen von Naturgefahren wie Überschwemmung, Erdrutsch, Erdbeben durch. Auch hier werden Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadenszenarien zur Risikoermittlung erarbeitet. Die Aufgabengebiete im Versicherungsbereich sind insgesamt also sehr vielfältig, je nach fachlicher Neigung und Ausrichtung können sich weitere Themengebiete wie z.B. betrieblicher Brandschutz oder Produktsicherheit ergeben.
Kann man den Beruf Risk Engineer erlernen?
Der Beruf des Risk Engineers ist nirgends eindeutig definiert. Er wird in den Unternehmen auch meist unterschiedlich benannt, Risikoberater, Risikoingenieure, Umweltberater oder einfach nur Sachverständige sind beispielsweise weitere Titulierungen. Folglich kann man den Titel nicht durch ein Studium erlangen, allerdings sind Fortbildungen zum Umweltberater oder Umweltbeauftragten möglich. Es gibt Berufe, die kein klassisches Ausbildungsprofil kennen, wohl aber Anforderungen an Fachkenntnisse stellen. Mein Beruf gehört hierzu.
Wie bist du "Risk Engineer" geworden? War das immer dein Ziel oder eher Zufall?
Wie gesagt, den Beruf erlernt man nicht, man wächst da hinein. Es war auch nicht immer mein Ziel, diesen Beruf auszuüben. Im Laufe meines Berufslebens und meiner beruflichen Entwicklung haben sich persönliche Neigungen und Fachkenntnisse entwickelt, die sich letztlich in der Konsequenz in diesem Beruf vereint haben. Ich würde niemandem raten, schon nach dem Schulabschluss ein endgültiges Berufsziel auf Gedeih und Verderb anzustreben. Oftmals kann das Ziel nicht erreicht werden, weil äußere Umstände dagegen sprechen, die man selbst nicht steuern kann. Möglicherweise verschließen sich einem dadurch zudem hoch interessante Chancen, die man nicht erkennt, nur weil man allzu sehr auf sein ursprüngliches Ziel fixiert ist. Nicht selten enden die Menschen dann in einem Beruf, der sie nicht glücklich macht und sie nicht motiviert.
Vielen Dank!
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