Geologie und Archäologie
Gemeinsame Forschung führt zum Ziel

Hallo Tobias, schön, dass Du Zeit gefunden hast, uns ein Interview zu geben. Bitte stelle dich unseren Lesern erst einmal kurz vor.
Ich bin Tobias Höfig und studiere an der Uni Halle Geologie. Derzeit bin ich mit meiner Diplomarbeit beschäftigt.
Du warst im Ausland auf geowissenschaftlicher Kartierung. Worum ging es dabei?
Ja. Es war Geländearbeit auf einer türkischen Ägäisinsel. Sechs Wochen lang machte ich dort meine Diplomkartierung. "Dort" ist genauer gesagt Südwest-Anatolien, etwa 150 km südlich von Izmir am Ägäischen Meer, unweit der Mündung des großen Flusses "Mäander". Von diesem Fluss haben übrigens die mäandrierenden Flüsse ihren Namen. Geologisch gesehen befindet man sich hier in Sedimentfolgen, die jünger sind als 24 Millionen Jahre und durch Dehnungsbewegungen beansprucht worden sind. Meine Arbeit war in einem Gemeinschaftsprojekt mit Halleschen Archäologen eingebettet. Die Kooperation zwischen Geologie und Archäologie liefert ein gutes Beispiel für interdisziplinäre Arbeit und Forschung.
Ihr habt also Geologie und Archäologie verbunden, um gemeinsam ein Thema zu ergründen. Wie seid ihr dabei vorgegangen? Was war euer Ziel und wie sahen die Ergebnisse aus?
Die Geowissenschaften mit ihrer naturwissenschaftlichen Methodik stellen eine fundierte Grundlage und Beweisführung für archäologische Forschungen bereit. Darüber freuen sich vor allem die Prähistoriker, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Es ging auf dieser Insel um bronzezeitliche Ausgrabungen aus der Zeit der minoischen Hochkultur. Das Projekt ist auf mehrere Jahre angelegt. Handelswege und Lebensweise dieser Zeit sollen erforscht werden. Meine Hilfe für die Archäologen bestand im Wesentlichen darin, die verbauten Steine zu bestimmen, um zum Beispiel Aussagen zu treffen, ob die Mauersteine von der Insel selbst stammen oder von woanders herangeschafft worden sind. Ein Ergebnis war beispielsweise, dass 90 Prozent der verwendeten Materialien nicht von der Insel stammen. Eine weitere Aufgabe für mich war die Bestimmung der Mächtigkeit der vorhandenen Kulturschichten auf der Insel mithilfe von Peilstangensondierungen. Dazu bohrte ich maximal einen Meter tief in den Inselboden. Diese Arbeit diente unter anderem dazu, den Archäologen aufzuzeigen, wo weitere lohnenswerte Stellen sind, um Grabungen durchzuführen.

Du hast uns gerade die Ergebnisse deiner Arbeit mitgeteilt. Was haben die Archäologen zusätzlich noch herausgefunden?
Ergebnisse der diesjährigen Arbeit waren beispielsweise, dass die Insel in der Bronzezeit ein Hafenposten war, der sich am Eingang einer natürlichen Bucht befand. Unter anderem wurde Palastware gehandelt. Das belegten Keramikfunde. Des Weiteren hat man auch lokale Keramikware gefunden, die bisher nur auf der Insel entdeckt wurde. In diesem Zusammenhang musste eine eigene Klassifikation erstellt werden.
Vielen Dank!
(Foto © Tobias Höfig)
Die Initiative "Wir sind überall" wird vom Netzwerk für geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit betreut und kooperiert mit
© 2006-2011 Netzwerk für geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit : : Impressum & Datenschutz





