Sedimente Ägyptens
Auf den Spuren des Klimas vor 50 Millionen Jahren

Hallo Stefan! Bitte stell dich uns kurz vor.
Mein Name ist Stefan Höntzsch. Ich stamme aus Großenhain bei Dresden und habe von 2001 bis 2007 an der TU Bergakademie Freiberg Geologie und Paläontologie studiert. Im Sommer 2007 habe ich meinen Abschluss zum Diplom-Geologen erlangt. Meine Diplomarbeit befasste sich mit der Beckenanalyse und 3D-Modellierung der kreidezeitlichen Sedimente des Elbtalgrabens südlich von Dresden. Nach dem Studium habe ich eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen angetreten. Hier schreibe ich gerade meine Doktorarbeit.
Worüber schreibst du deine Doktorarbeit?
Meine Arbeit befasst sich mit der Rekonstruktion der Entwicklung einer tertiären Karbonatplattform am Südrand des damaligen Tethys-Ozeans. Mein Arbeitsgebiet liegt westlich des Golfs von Suez in Ägypten. In meiner Arbeit kombiniere ich sedimentologische, paläontologische und geochemische Daten. Aus den Ergebnissen lassen sich Rückschlüsse auf das damalige Environment, Meeresspiegelschwankungen und die regionale Klimaentwicklung vor 50 Millionen Jahren schließen.

Beschreibe uns doch bitte kurz einen typischen Tagesablauf während deiner Tätigkeit.
Zurzeit bin ich mit der Aufbereitung meiner Proben beschäftigt. Diese habe ich vor einigen Wochen während der ersten Profilaufnahmen in Ägypten gewonnen. Ein Teil der Proben wird mechanisch zerkleinert und für die Isotopenbestimmung vorbereitet. Ein anderer Teil der Proben, vor allem Festgesteine, wird gesägt und ist für Dünnschliffe vorgesehen. Aus den gesammelten Daten soll dann die vorherrschenden Umweltbedingungen rekonstruiert werden… aber das ist noch ein weiter Weg.
Worin besteht der praktische Nutzen deiner Arbeit?
In Zeiten, in denen die ganze Welt von globaler Erwärmung und Klimakatastrophe spricht, versuche ich herauszufinden durch welche Prozesse das Klima vor 50 Millionen Jahren gesteuert wurde. Auch damals gab es Zeitabschnitte mit deutlich wärmeren Temperaturen auf der Erde. Ich werde versuchen, diese Episoden im Gesteinsverband nachzuweisen und ihre Ursachen näher einzugrenzen. Ein anderer Aspekt meiner Arbeit nutzt vor allem der Kohlenwasserstoffindustrie, die im Zuge der weltweiten Verknappung an fossilen Brennstoffen der Karbonatsedimentologie und Mikropaläontologie wieder mehr Aufmerkung zukommen lässt. Tertiäre Karbonate bergen 60 Prozent der weltweiten Erdölreserven. So sind die detaillierten Eigenschaften dieser Gesteine von enormem Interesse für die großen Erdölfirmen.
Siehst du Vor- und/oder Nachteile deiner Tätigkeit?
Nun, in meinen Augen überwiegen eindeutig die Vorteile. So bin ich bei meiner Arbeit sehr flexibel was Aufgabenstellung und Arbeitseinteilung angeht - es wird eigentlich nie langweilig. Da sich mein Arbeitsgebiet in Ägypten befindet, lerne ich auch Land und Leute ein wenig besser kennen - ein Punkt, um den wir Geologen sehr oft beneidet werden. Der einzige Nachteil meiner Tätigkeit ist eigentlich nur, dass man in der Forschung nur selten unbefristete Arbeitsverträge erhält. Das zeigt, dass man als Geologe flexibel sein muss, vor allem was den Arbeitsort angeht.
Warum wolltest du Geowissenschaftler werden und wann stand dein Studienwunsch für dich fest?
Als Sohn einer Physiklehrerin und eines Geografielehrers hatte ich schon sehr früh Kontakt zu naturwissenschaftlicher Literatur. Schnell stellten sich mir erste Fragen, auf die es Antworten zu finden galt. Gesteine, vor allem die, die glitzerten und funkelten, fand ich schon immer faszinierend. Die Frage nach der Entstehung dieser trieb mich schließlich in das Geologiestudium und in meine jetzige Forschungstätigkeit.
Wenn du die Möglichkeit hättest, würdest du eine andere Berufsrichtung wählen?
Nie im Leben (lacht). Ich mache genau das was mir Spaß macht und wo ich mit dem Herzen dabei bin. Klar gibt es Jobs in denen man mehr verdienen kann und nicht so flexibel sein muss wie als Geowissenschaftler - aber Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich. Mein liebstes Hobby, die Fotografie, gibt mir den nötigen Ausgleich zu meinem Beruf - so soll es auch bleiben.
Vielen Dank!
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