Den Untergrund sichern
Ein Geologe schützt eine Stadt vor dem Einsturz

Hallo Martin, wer bist du und was machst du?
Mein Name ist Martin Wolf. Ich habe an der Universität Erlangen-Nürnberg Geologie studiert und promoviere seit 2007 am Institut für Interdisziplinäre Isotopenforschung (IIF) in Leipzig.
Was machst du da?
Bei meiner Doktorarbeit geht es um die massiven Folgeschäden, die geflutete Salzbergwerke unter der Stadt Staßfurt (Sachsen-Anhalt) verursachen. Staßfurt ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts Standort zahlreicher Salzbergwerke. Durch die damals noch mangelnde geotechnische Erfahrung sind diese Gruben allesamt durch einfließendes Wasser verloren gegangen. Und das führt bis heute zum unkontrollierten Auswaschen des Salzes im Untergrund durch eindringendes Grundwasser. Die Folge sind tiefe Absenkungen und Einbrüche der Erdoberfläche, weswegen bereits große Teile der Innenstadt abgerissen und in einen See umgewandelt werden mussten. Weitere schwere Schäden sind zu erwarten.
Was wird dagegen gemacht?
Ein Verbund aus mehreren Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen, unter Federführung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) untersucht umfassend die aktuelle Situation, um die weitere Entwicklung im Stadtgebiet abschätzen zu können. So soll Staßfurt ein gewisses Maß an Planungssicherheit für die Zukunft gegeben werden.
Was ist dein Beitrag dazu?
Mein Beitrag besteht nun darin, die Dynamik und den Stofftransport des Grundwassers im Untergrund und im Salzgestein zu untersuchen, also wie es sich bewegt, wo es wie viel Salz löst und abtransportiert und wie anfällig bestimmte Bereiche des Untergrundes für diese Prozesse sind. Dazu leiten wir im Labor Wasser, welches wir mit einer radioaktiven Substanz markiert haben, durch Bohrkerne aus dem Staßfurter Untergrund. Die Bewegung und die Reaktionen des markierten Wassers in den Bohrkernen können wir anschließend mit einem Positronen-Emissions-Tomografen (PET) - ein bildgebendes Verfahren aus der Medizin - sehr präzise sichtbar machen und auswerten. Zusätzlich führen wir diese Markierungsversuche auch im Gelände durch, hier jedoch mit einem harmlosen Farbstoff als Marker. Obwohl ein großer Bedarf an Daten bezüglich der kinetischen Eigenschaften von Wasser im Untergrund besteht, ist dies mit der hier eingesetzten Methode der "Geo-PET" und der damit erreichten Genauigkeit noch nie untersucht worden.
Das klingt reichlich kompliziert. Wozu brauchen wir das nun im realen Leben?
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen dienen unter anderem als Datenbasis für Computersimulationen des Geschehens im Untergrund, die wiederum als Orientierung für geplante Sanierungsmaßnahmen des Stadtgebietes dienen (z.B. die Einspritzung bestimmter verfestigender Gele in den Untergrund). Staßfurt ist 1200 Jahre alt und es ist zu wünschen, dass die letztendlich umgesetzten Sanierungsmaßnahmen die Stadt für viele weitere Generationen bewohnbar erhalten.
Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was hat dich zur Geologie gebracht?
"Forscher" werden wollte ich irgendwie schon immer. Ich habe schon sehr früh alle möglichen Kieselsteinchen und Schneckenhäuschen gesammelt und immer gerne Naturdokus wie Abenteuer Forschung oder Expeditionen ins Tierreich angesehen. Nach erfolgreichen Leistungskontrollen über Plattentektonik und Gletscher in der Schule und der x-ten Sendung über Vulkane, Saurier und Meteoriten war's dann klar.
Vielen Dank!
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